Karriere & Führung

Jobwechsel mit 50 als Führungskraft: Fristen und Bewerbung

Aktualisiert am 2. Oktober 2026 · 15 Min. Lesezeit · Professionell Bewerben

Jobwechsel als Führungskraft: offene Tür zwischen einem Büro mit gepacktem Karton und einem hellen, leeren neuen Büro

Kurz zusammengefasst

Drei Viertel der 55- bis 64-Jährigen in Deutschland sind erwerbstätig. Die Hälfte der Recruiter hält Bewerber ab 55 trotzdem für zu alt. Für den Wechsel in die gleiche oder die nächste Rolle bestimmen deshalb Kündigungsfrist und Vertragslage den Zeitpunkt. Der Wechselgrund zeigt nach vorn. Lebenslauf und Anschreiben lassen einen Personalberater Ergebnisse lesen statt Lebensjahre.

Inhaltsverzeichnis
  1. Wann gelingt der Jobwechsel mit 50 als Führungskraft?
  2. Neuer Job mit 50 oder mit 40: Was der Arbeitsmarkt für Menschen über 50 zeigt
  3. Gründe für einen Jobwechsel und wie Sie sie in der Bewerbung formulieren
  4. Wann wechseln: Zeitpunkt, Kündigungsfrist und Vertragslage
  5. Wie lange die Suche nach einem neuen Job auf Führungsebene dauert
  6. Vorurteile gegen Bewerber ab 50 und was das AGG regelt
  7. Lebenslauf, Anschreiben und LinkedIn-Profil für die Bewerbung mit 50
  8. Netzwerk, Personalberater, verdeckter Stellenmarkt und Initiativbewerbung
  9. Andere Branche, berufliche Veränderung oder Interim statt Festanstellung?
  10. Jobwechsel vorbereiten: Reihenfolge und Unterstützung

Wann gelingt der Jobwechsel mit 50 als Führungskraft?

Die kurze Antwort: Am ehesten in eine Rolle, die Ihrer heutigen ähnelt, bei einem anderen Arbeitgeber. Ein Bereichsleiter wechselt in ein größeres Haus. Eine Finanzchefin geht zu einem Investor, der ihre Sanierungserfahrung braucht. Dieser Beitrag behandelt den Wechsel in die gleiche oder die nächste Rolle. Ein beruflicher Neuanfang in anderer Funktion gehört in den Beitrag zur beruflichen Neuorientierung für Führungskräfte.

Die Ratgeber zu Jobs ab 50 richten sich an Fachkräfte und Umschüler. Auf Führungsebene, vom Abteilungsleiter bis zum Top-Management, gelten andere Bedingungen. Die Suche läuft diskret, während der Vertrag noch gilt. Kündigungsfrist, Bonusstichtag und Wettbewerbsverbot bestimmen den Zeitpunkt. Und die Unterlagen landen bei Personalberatern, Gesellschaftern und Aufsichtsräten, die Ergebnisse prüfen und das Alter aus den Daten herauslesen.

Neuer Job mit 50 oder mit 40: Was der Arbeitsmarkt für Menschen über 50 zeigt

Kurz: Ältere sind auf dem Arbeitsmarkt die Regel, das zeigt die Erwerbstätigenquote. Wie streng die Auswahl nach Alter filtert, zeigt sie nicht.

Nach dem Statistischen Bundesamt stieg die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen in Deutschland zwischen 2015 und 2025 von 66,2% auf 75,3%. Sie liegt damit rund zwei Prozentpunkte unter der Quote aller 15- bis 64-Jährigen von 77,2% und weit über dem EU-Durchschnitt von 66,4%. Der Fachkräftemangel, den ManpowerGroup 2025 für 86% der befragten Arbeitgeber in Deutschland misst, gehört in dieses Bild, die Umfrage unterscheidet aber nicht nach Hierarchieebene.

Die Auswahl hat StepStone in der Studie „The Age Advantage“ gemessen, im Juli 2024 mit 6.254 Kandidaten und 725 Personalverantwortlichen in Deutschland. 50% der Recruiter halten Kandidaten ab 55 Jahren für zu alt. Ein Jobwechsel mit 55 beginnt in der ersten Sichtung deshalb gegen dieses Urteil. Einer von vier Bewerbern über 50 und zwei von fünf über 60 wurden nach eigener Angabe ausdrücklich wegen ihres Alters abgelehnt. Die Studie fragt nicht nach Hierarchieebene. Nach unserer Erfahrung wirkt der Filter auch auf Führungsebene, vor allem in der ersten Sichtung bei Personalberatern, die Menschen ab 50 zuerst über die Daten der Stationen einordnen.

Was mit 40 anders ist

Mit 40 liegt der Wechsel in der Mitte des Berufslebens. Ein Arbeitgeber rechnet mit mehr als zwanzig weiteren Jahren. Der Jobwechsel mit 40 zielt deshalb meist auf die nächste Stufe, vom Bereich in die Geschäftsführung oder vom Werk in die Gesamtverantwortung, und der neue Arbeitgeber prüft, ob die Ergebnisse der letzten Station die größere Verantwortung tragen. Bei einem Kandidaten im Alter von 50 Jahren prüft derselbe Arbeitgeber, ob dieser die Verantwortung schon einmal getragen hat.

Gründe für einen Jobwechsel und wie Sie sie in der Bewerbung formulieren

Kurz: Der Grund, den Sie nennen, muss im Bewerbungsschreiben, im Kurzprofil und im Gespräch gleich lauten und nach vorn zeigen. Von den wahren Gründen wählen Sie den, der das tut.

Auf Führungsebene liegen die Gründe selten in der Arbeit selbst. Ein Eigentümerwechsel bringt neue Berichtslinien. Ein neuer Vorstandsvorsitzender bringt seine eigene erste Reihe mit, und nach einer Fusion gibt es zwei Bereichsleiter für einen Bereich. Daneben steht das Plateau nach zehn oder fünfzehn Jahren im selben Haus, wenn die nächste Stufe intern besetzt ist, oder der Wunsch nach einem Familienunternehmen mit kurzen Wegen nach einer Konzernkarriere. Die Klage selbst, der Konflikt mit dem Gesellschafter oder die übergangene Beförderung, gehört nicht in die Unterlagen, auch wenn sie berechtigt ist. Die Tabelle zeigt drei Sachverhalte in zwei Fassungen, mit erfundenen Beispielen.

SachverhaltKlingt nach FluchtKlingt nach Entscheidung
Fusion„Seit der Fusion ist mein Bereich nur noch ein Anhängsel.“„Nach der Fusion habe ich die beiden Vertriebsorganisationen zusammengeführt und suche jetzt einen Bereich im Aufbau.“
Plateau„Ich komme intern nicht weiter.“„Der Bereich ist nach dem Umbau auf 300 Mitarbeitende gewachsen, der nächste Schritt ist die Geschäftsführung eines Unternehmens dieser Größe.“
Neuer Vorstand„Mit dem neuen Vorstand passt es nicht.“„Mit dem Wechsel an der Spitze ist der Aufbau der Landesgesellschaft abgeschlossen. Ich suche die nächste Aufbauaufgabe.“

Ein Personalberater hat Bewerbungsschreiben, Kurzprofil und LinkedIn-Profil nebeneinander auf dem Bildschirm. Der Satz aus der rechten Spalte steht deshalb im ersten Absatz des Bewerbungsschreibens, am Ende des Kurzprofils und in der Info-Sektion auf LinkedIn. Im Gespräch wiederholen Sie ihn in denselben Worten.

Wann wechseln: Zeitpunkt, Kündigungsfrist und Vertragslage

Kurz: Gesucht wird aus ungekündigter Position, gekündigt nach der Unterschrift. Dazwischen liegen Kündigungsfrist, Bonusstichtag und Wettbewerbsverbot aus Ihrem Vertrag.

Aus ungekündigter Position verhandelt eine Führungskraft anders als aus der Freistellung heraus. Sie hat Zeit, kann ein Angebot ablehnen und muss niemandem erklären, warum sie sucht. Der Beitrag gibt die Rechtslage wieder und ersetzt keine Beratung durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Welche Kündigungsfrist beim Jobwechsel gilt

Die gesetzliche Grundfrist nach § 622 Abs. 1 BGB beträgt vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats. Die verlängerten Fristen nach Betriebszugehörigkeit in Absatz 2, bis zu sieben Monate nach zwanzig Jahren, gelten kraft Gesetzes nur für die Kündigung durch den Arbeitgeber. Für die Führungskraft, die selbst kündigt, zählt der Arbeitsvertrag, und der sieht auf dieser Ebene nach unserer Erfahrung häufig sechs Monate zum Quartalsende oder mehr vor. Absatz 6 setzt die Grenze, nach der für die Kündigung durch den Arbeitnehmer keine längere Frist vereinbart werden darf als für die Kündigung durch den Arbeitgeber. Bei Geschäftsführern und Vorständen entscheidet der Dienstvertrag. Ein früherer Wechsel in die neue Stelle läuft über einen Aufhebungsvertrag mit früherem Enddatum oder über eine Sprinterklausel.

Aufhebungsvertrag und Sperrzeit beim früheren Wechsel

Der Aufhebungsvertrag wirft die Frage nach dem Arbeitslosengeld auf, falls die neue Position platzt. Löst jemand sein Beschäftigungsverhältnis ohne wichtigen Grund selbst, auch per Aufhebungsvertrag, bekommt er nach § 159 SGB III zwölf Wochen kein Arbeitslosengeld und verliert nach § 148 SGB III mindestens ein Viertel der Anspruchsdauer. Endet das Arbeitsverhältnis mit Abfindung vor Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist, ruht der Anspruch nach § 158 SGB III bis zu dem Tag, an dem die Frist geendet hätte. Nach § 38 SGB III melden Sie sich spätestens drei Monate vor dem Ende arbeitsuchend, bei kürzerer Frist innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis. Einen Anspruch auf eine Abfindung gibt es beim Aufhebungsvertrag nicht, ihre Höhe ist Verhandlungssache. Vorstände einer Aktiengesellschaft sind versicherungsfrei, für sie entsteht aus der Vorstandszeit weder Anspruch noch Sperrzeit. Enddatum, Freistellung, Zeugnis und Sprachregelung verhandeln Sie im Aufhebungsvertrag vor der Unterschrift.

Gehalt, Bonusstichtag, Beteiligungen und Wettbewerbsverbot

Variable Vergütung wird meist nach dem Geschäftsjahr ausgezahlt. Viele Verträge knüpfen die Zahlung an ein ungekündigtes Arbeitsverhältnis am Stichtag, auch wenn solche Klauseln bei Boni für bereits erbrachte Leistung nach dem Bundesarbeitsgericht unwirksam sein können (Urteil vom 18.01.2012, 10 AZR 612/10). Aktien- oder Optionsprogramme verfallen bei einem Wechsel vor Ablauf des Vesting je nach Leaver-Klausel ganz oder teilweise. Was dadurch verloren geht, lässt sich beim neuen Arbeitgeber als Ausgleich verhandeln, wenn Sie den Betrag kennen, bevor das Gespräch über Gehalt und Vergütungspaket beginnt.

Ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot kann den Wechsel zu einem Wettbewerber für bis zu zwei Jahre blockieren. Für Arbeitnehmer ist es nach § 74 Abs. 2 HGB nur verbindlich, wenn der Arbeitgeber für die Dauer des Verbots eine Entschädigung zahlt, die für jedes Jahr mindestens die Hälfte der zuletzt bezogenen vertragsmäßigen Leistungen erreicht, samt variablen Bestandteilen. Für GmbH-Geschäftsführer und Vorstände gelten die §§ 74 ff. HGB nicht. Dort bindet ein Verbot auch ohne Entschädigung, solange es einem berechtigten Interesse dient und angemessen ist. Ob es sich im Aufhebungsvertrag aufheben oder einschränken lässt, zeigt der Beitrag zum Wettbewerbsverbot für Führungskräfte.

Wie lange die Suche nach einem neuen Job auf Führungsebene dauert

Kurz: Rechnen Sie mit Monaten, nicht mit Wochen. Einen Anhaltspunkt mit Zahl gibt es nur für Kandidaten mit Outplacement.

Die BDU-Studie „Outplacementberatung in Deutschland“ nennt laut Pressemitteilung vom Mai 2025 93% der begleiteten Kandidaten, die innerhalb von höchstens zwölf Monaten einen neuen Arbeitsplatz hatten, davon 40% nach einem halben Jahr oder weniger. Gezählt wurden rund 11.000 Kandidaten mit Outplacement, zu 65% zwischen 50 und 59 Jahre alt, mit einem durchschnittlichen Jahresbruttoeinkommen von 112.000 Euro.

Eine Suche, die im Januar beginnt, führt demnach bei der Mehrheit erst in der zweiten Jahreshälfte zum neuen Job. Mit der Kündigungsfrist vergeht bis zum Antritt ein weiteres halbes Jahr. Eine Freistellung von sechs Monaten aus einem Aufhebungsvertrag deckt die Suche nach der BDU-Zahl für vier von zehn Kandidaten ab.

Vorurteile gegen Bewerber ab 50 und was das AGG regelt

Kurz: Vier Einwände hören Arbeitnehmer ab 50 immer wieder. Jeder lässt sich mit einer Zeile in den Unterlagen entkräften, bevor jemand ihn ausspricht.

Den Einwand der Veränderungsscheu beantwortet die aktuelle Station mit einem Umbau der letzten drei Jahre samt Zahl und Termin. Für den Einwand zur Technik steht dort das Digitalisierungsprojekt, etwa die Einführung eines neuen ERP-Systems in vier Werken, als Beleg für digitale Kompetenz und Lernbereitschaft. Der dritte Einwand heißt zu teuer. Die Antwort im Bewerbungsschreiben ist das Ergebnis, das Sie für Ihre Vergütung erwirtschaftet haben, neben der Zahl, die Sie verantwortet haben. Auf den vierten Einwand, Sie blieben nicht lange, antwortet das Kurzprofil mit einer Zielrolle, deren Aufgabe ein Ende hat, etwa die Integration nach einer Übernahme samt den zwei Jahren danach.

Die Altersfrage im Vorstellungsgespräch

Fragt man Sie im Gespräch, wie lange Sie noch arbeiten wollen, folgt die Antwort aus der Zielrolle im Kurzprofil, nämlich aus dem Zeitraum, den die Aufgabe braucht. Die übrigen Fragen im Bewerbungsgespräch für Führungskräfte zu Führungsstil und Ergebnissen stellt ein Gremium Bewerbern mit 50 wie mit 40.

Was das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz beim Alter regelt

Das AGG verbietet die Benachteiligung wegen des Alters bei der Einstellung. Nach § 11 AGG darf ein Arbeitsplatz nicht unter Verstoß gegen dieses Verbot ausgeschrieben werden. Eine Anzeige, die ein „junges Team“ oder ein Höchstalter nennt, ist deshalb ein Indiz. Für Geschäftsführer und Vorstände gilt der Schutz beim Zugang zur Tätigkeit nach § 6 Abs. 3 AGG entsprechend. Beweist ein Bewerber im Streitfall Indizien, die eine Benachteiligung vermuten lassen, trägt nach § 22 AGG der Arbeitgeber die Beweislast dafür, dass keine vorlag. In der Praxis bleibt eine Ablehnung wegen des Alters schwer nachweisbar, weil sie selten begründet wird.

Lebenslauf, Anschreiben und LinkedIn-Profil für die Bewerbung mit 50

Kurz: Die letzten zehn bis fünfzehn Jahre tragen die Bewerbung, alles davor schrumpft auf eine Zeile je Station. Der Leser sucht Ebene, Größenordnung und das stärkste Ergebnis auf Seite eins.

Mit 50 plus ist der Lebenslauf nach zwanzig Jahren Berufserfahrung lang. Die aktuelle Station bekommt den meisten Platz, mit zwei bis fünf Ergebnissen, das Resultat vorn. Zwei bis drei Seiten sind das Maß, nach einer langen Laufbahn bis zu vier, im einspaltigen Layout.

Weiterbildung, Qualifikation und Geburtsdatum

Weiterbildung steht mit Programm und Jahr, sofern sie zur Zielrolle gehört, die Qualifikation aus dem Studium mit dem höchsten Abschluss. Das Geburtsdatum ist in Deutschland üblich und freiwillig. Wir raten nicht dazu, es wegzulassen, weil ein Leser das Alter aus den Daten der Stationen ohnehin ausrechnet und ein fehlendes Datum ihm eher auffällt als ein vorhandenes. Was ihn von dieser Rechnung ablenkt, ist ein Ergebnis mit Zahl in der ersten Station.

Ab 40 beginnt das Bewerbungsschreiben mit dem Wechselgrund, nennt danach zwei oder drei Ergebnisse, die in der Zielrolle etwas wert sind, und endet ohne die Versicherung, belastbar und teamfähig zu sein. Wendungen wie „langjährige Berufserfahrung“ und „umfangreiches Fachwissen“ streichen Sie, weil sie das Alter betonen und den Mehrwert für das Unternehmen nicht belegen. Lebenserfahrung als Argument bleibt aus demselben Grund draußen. Das Kompetenzprofil als drittes Dokument ordnet dieselbe Berufserfahrung nach Themen und belegt jede Kompetenz, auch Soft Skills, mit einem Beispiel aus den Stationen.

Ihr LinkedIn-Profil liest ein Personalberater vor dem Anruf und Ihr Arbeitgeber jederzeit, deshalb ändern Sie in ungekündigter Position zuerst die Info-Sektion und die aktuelle Station und lassen die Headline stehen. Die Recruiter-Einstellung, die Wechselbereitschaft signalisiert, ist vor dem eigenen Unternehmen nicht sicher verborgen. Titel, Daten und Stationen stimmen mit den Unterlagen überein.

Bewerbungsunterlagen für Führungskräfte

Experten-Tipp

Schreiben Sie Kündigungsfrist, Bonusstichtag und die Unternehmen, die Ihr Wettbewerbsverbot ausschließt, auf ein Blatt, bevor Sie den ersten Personalberater ansprechen. Seine erste Frage ist, wann Sie anfangen könnten, seine zweite, wo nicht. Beantworten Sie beides ohne Nachschlagen, kommen Sie auf die Liste für das laufende Mandat statt in die Datenbank.

Christina Becker

Executive Recruiting & LinkedIn-Branding Expertin

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Christina Becker, Executive Recruiting und LinkedIn-Branding Expertin bei Professionell Bewerben

Netzwerk, Personalberater, verdeckter Stellenmarkt und Initiativbewerbung

Kurz: Ab Bereichsleitung werden viele offene Stellen besetzt, bevor eine Anzeige erscheint. Sichtbar werden Sie an den Punkten der Suchkette, die vor der Anzeige liegen. Für die Größe dieses verdeckten Stellenmarkts gibt es keine amtliche Zahl. Die verbreiteten 70% haben keine Primärquelle.

Ihr Vorteil gegenüber jüngeren Kandidaten sind persönliche Kontakte aus zwanzig Jahren im Berufsleben. Ehemalige Vorgesetzte sitzen in Beiräten, frühere Kollegen führen inzwischen Unternehmen, und Wirtschaftsprüfer oder Anwälte erfahren von Vakanzen, bevor daraus ein Mandat wird. Sie bitten diese Menschen nicht um eine Stelle. Sie fragen, ob das Vorhaben aus ihrer Sicht trägt und wer in ihrem Umfeld gerade einen Job auf Ihrer Ebene zu vergeben hat. Im Amt wählen Sie die Gesprächspartner nach Verschwiegenheit aus.

Headhunter suchen im Auftrag von Unternehmen und finden Sie über Ihr Profil oder über eine kurze Vorstellung mit Wechselgrund und Zielrolle. Sinnvoll ist eine Handvoll Berater, die auf Ihrer Ebene und in Ihrem Sektor mandatiert sind, drei bis fünf als Anhaltspunkt, mit der Vereinbarung, dass Ihr Name ohne Ihre Zustimmung an kein Unternehmen geht.

Der dritte Weg ist die Initiativbewerbung bei Zielunternehmen mit einem Anlass, etwa einem angekündigten Wechsel an der Spitze, einer Übernahme oder einem neuen Investor. Mehr als 15 bis 20 solcher Unternehmen lassen sich mit Ansprechpartner und Anlass selten verfolgen. Schreiben Sie an die Person, die auf Ihrer Ebene entscheidet, an den Geschäftsführer, den Gesellschafter oder den Aufsichtsratsvorsitzenden. Die Personalabteilung ist nach unserer Einschätzung der falsche Adressat.

Andere Branche, berufliche Veränderung oder Interim statt Festanstellung?

Kurz: Ein Personalberater sortiert im Suchmandat nach Branchenerfahrung, bevor er ein Profil liest. Was sich übertragen lässt, zählt erst im Gespräch. Ein Wechsel des Sektors gelingt deshalb eher über das Netzwerk und die Initiativbewerbung als über ein Suchmandat.

Sinnvoll ist der Wechsel, wenn der eigene Sektor schrumpft oder ein anderer Ihre Erfahrung lesen kann, etwa ein Zulieferer, dessen Kunden Sie kennen. Die Unterlagen übersetzen dann jedes Ergebnis für den Zielmarkt, wie bei einem Richtungswechsel oder beruflichen Neustart.

Interim Management ist für Führungskräfte mit Umbau-, Sanierungs- oder Integrationserfahrung eine Alternative zur Festanstellung, für manche die Brücke dorthin. Der Branchenverband DDIM erwartet in seiner Marktstudie 2026 rund 12.500 Interim Manager am Markt bei einem durchschnittlichen Tagessatz von 1.317 Euro und einer Auslastung von 81%. Im Tagessatz stecken weder Bonus noch Altersversorgung noch eine Kündigungsfrist. Zwischen zwei Mandaten können Monate ohne Einkommen liegen.

Jobwechsel vorbereiten: Reihenfolge und Unterstützung

Kurz: Die Vorbereitung für einen erfolgreichen Jobwechsel mit 50 läuft in dieser Reihenfolge. Die Kündigung ist der achte Schritt.

  1. Zielrolle benennen. Ebene, Unternehmensgröße, Eigentümerstruktur, Sektor.
  2. Vertragslage prüfen. Kündigungsfrist, Bonusstichtag, Vesting, Wettbewerbsverbot, vor dem ersten Gespräch mit einem Berater, weil er danach fragt.
  3. Wechselgrund formulieren. Vor den Unterlagen, weil der Satz in allen steht.
  4. Unterlagen bauen. Lebenslauf, Bewerbungsschreiben, Kompetenzprofil.
  5. LinkedIn-Profil still umstellen. Vor den Beratern, weil sie es zuerst lesen.
  6. Netzwerk und Berater ansprechen. Einzelgespräche, drei bis fünf Personalberater.
  7. Zielunternehmen ansprechen. Initiativbewerbung an die Person, die auf Ihrer Ebene entscheidet, mit Anlass.
  8. Erst nach der Unterschrift kündigen. Mit der Frist aus dem Vertrag.

Unterlagen für den Jobwechsel ab 50 schreiben lassen

Sie bringen eine Position im Amt und einen Vertrag mit Frist mit. Wir bauen daraus die Bewerbung für Führungskräfte, in der Lebenslauf, Bewerbungsschreiben und Kompetenzprofil denselben Wechselgrund nennen und die aktuelle Station vorn steht, und das LinkedIn-Profil, das ein Personalberater vor dem Anruf liest. Fertig ist die Bewerbung in der Regel ab vier Arbeitstagen nach Unterlagen und Gespräch. Der Festpreis richtet sich nach der Zielebene und steht im Angebot, die Kostenübersicht auf einer eigenen Seite. Coaching, Interviewtraining und Vermittlung bieten wir nicht an. Das erste Gespräch ist vertraulich und beginnt bei Ihrer Vertragslage.

Christina Becker – Executive Recruiting & LinkedIn-Branding Expertin bei Professionell Bewerben

Von Christina Becker, Executive Recruiting & LinkedIn-Branding Expertin bei Professionell Bewerben – seit 2017 ausschließlich für Führungskräfte und C-Level. Mehr über unsere Bewerbungsexperten

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Häufige Fragen zum Wechsel mit 50 als Führungskraft

Ist ein Jobwechsel mit 50 noch realistisch?

Ja. Nach StepStone wurde jeder vierte Bewerber über 50 ausdrücklich wegen seines Alters abgelehnt. Die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen ist trotzdem in zehn Jahren um rund neun Prozentpunkte gestiegen. Entschieden wird in der ersten Sichtung. Dort zählt ein Ergebnis in der aktuellen Station.

Welche Kündigungsfrist gilt, wenn ich selbst kündige?

Die Frist aus Ihrem Arbeitsvertrag, mindestens vier Wochen zum Fünfzehnten oder Monatsende nach § 622 Abs. 1 BGB. Die längeren gesetzlichen Fristen nach Betriebszugehörigkeit gelten nur für die Kündigung durch den Arbeitgeber. Ihre Frist darf nach Absatz 6 nie länger sein als seine. Geschäftsführer und Vorstände lesen die Frist im Dienstvertrag.

Wann ist der beste Zeitpunkt für einen neuen Job?

Klären Sie vor der Suche, wann Ihr Bonus fällig wird, wann Ihre Beteiligungen unverfallbar werden und wie lange ein Wettbewerbsverbot Sie bindet. Aus diesen Terminen und der Kündigungsfrist ergibt sich der frühestmögliche Antritt, den Sie einem Personalberater nennen.

Wie lange dauert die Jobsuche als Führungskraft?

Beginnt die Suche im Januar und dauert sie wie bei 93% der BDU-Kandidaten bis zu zwölf Monate, liegt der Vertrag für den neuen Job im Herbst und der Antritt mit sechs Monaten Frist im Frühjahr darauf. Aus dem Amt heraus lässt sich diese Zeit abwarten.

Muss ich mein Alter im Lebenslauf angeben?

Nein, das Geburtsdatum ist freiwillig. In Deutschland ist es üblich. Ein fehlendes Datum fällt einem Leser eher auf als ein vorhandenes. Die Aufmerksamkeit lenkt stattdessen ein Ergebnis mit Zahl in der ersten Station.

Wie begründe ich den Wechsel im Gespräch?

Mit einem Sachverhalt und einer Richtung, etwa „Mit dem Wechsel an der Spitze ist der Aufbau der Landesgesellschaft abgeschlossen. Ich suche die nächste Aufbauaufgabe.“ Die Klage über den bisherigen Arbeitgeber bleibt draußen.

Droht beim Aufhebungsvertrag eine Sperrzeit?

In der Regel ja, wenn kein wichtiger Grund vorliegt, mit zwölf Wochen ohne Arbeitslosengeld und mindestens einem Viertel der Anspruchsdauer weniger. Steht der neue Vertrag fest, spielt das keine Rolle. Platzt er, wiegt die Sperrzeit schwer.

Was kostet es, die Bewerbung schreiben zu lassen?

Die Kosten für eine professionell geschriebene Bewerbung hängen von der Zielebene ab und stehen als Festpreis im Angebot nach dem Erstgespräch, zahlbar nach Ihrer Freigabe.