Arbeitszeugnis Noten: Formulierungen und Bewertung
Kurz zusammengefasst
Ein Arbeitszeugnis nennt keine Noten und vergibt sie trotzdem. Die Bewertung steckt in der Abstufung fester Formulierungen: ob „stets“ davorsteht, ob die Zufriedenheit gesteigert ist, ob der Schlusssatz Dank und Bedauern enthält. Der Beitrag übersetzt die Formulierungen in Noten und zeigt die Skala mit ihren Zwischenformen, Formulierungen je Note für Fachwissen, Arbeitsweise, Arbeitserfolg und Führungsleistung, die Reihenfolge in der Verhaltensbeurteilung, den Schlusssatz in fünf Stufen und Einzelwörter wie „solide“ mit ihrem Notenwert.
Inhaltsverzeichnis
- Arbeitszeugnis richtig lesen: Wie die Zeugnissprache Leistung und Verhalten benotet
- Die Notenskala im Arbeitszeugnis entschlüsselt
- Formulierungen für Fachwissen, Arbeitsweise und Arbeitserfolg in fünf Stufen
- Formulierungen für Führungskräfte: die Führungsleistung je Note
- Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitenden und Kunden: Reihenfolge und Abstufung
- Woran der Leser die Schlussformel im Arbeitszeugnis misst
- Einzelwörter mit Notenwert: solide, durchaus, im Wesentlichen und stets
- Gutes oder schlechtes Arbeitszeugnis? Formulierungen prüfen bei fehlender Formel, Widersprüchen und glatter Eins
- Der nächste Schritt: Arbeitszeugnisse für Führungskräfte, deren Formulierungen die Bewertung tragen
Arbeitszeugnis richtig lesen: Wie die Zeugnissprache Leistung und Verhalten benotet
Die kurze Antwort: Wer die Abstufungen nicht kennt, hält ein befriedigendes Zeugnis für ein gutes. Die Bewertung steht in festen Formeln, die Personalabteilungen, Personalberater und Arbeitsgerichte seit Jahrzehnten gleich lesen. Wer die Abstufungen kennt, liest die Sätze im Arbeitszeugnis wie Noten und kann jede Formulierung im Arbeitszeugnis einordnen. Bei einer Führungskraft kommt eine zweite Stelle hinzu, an der gelesen wird: der Absatz zur Führung.
Zwei Grundsätze erklären diese Zeugnissprache. Die Rechtsprechung verlangt seit Jahrzehnten, dass ein Zeugnis wahr und wohlwollend ist und das berufliche Fortkommen nicht unnötig erschwert. Seit 2003 verlangt § 109 Abs. 2 der Gewerbeordnung (GewO) außerdem ein klar und verständlich formuliertes Zeugnis ohne Merkmale oder Formulierungen, die den Zweck haben, eine andere als die aus Wortlaut und äußerer Form ersichtliche Aussage zu treffen. Kritik darf nicht versteckt werden und soll zugleich nicht schaden. Der Ausweg der Praxis ist die Abstufung: Statt einer Zahl steht eine Formel, deren Stufe der geübte Leser kennt. Die Skala ist keine Rechtsnorm. Sie gilt in der Personalpraxis, und Gerichte ziehen sie als Maßstab heran, wenn über eine Bewertung gestritten wird.
Der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis besteht mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Nach einer Kündigung können Sie das Zeugnis schon vor dem letzten Arbeitstag verlangen. Jeder Arbeitnehmer hat dann Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis. Das einfache Arbeitszeugnis nennt Art und Dauer der Beschäftigung. Beurteilt werden die Leistung und das Verhalten nur in einem qualifizierten Arbeitszeugnis, und das muss der Arbeitnehmer verlangen. Dieser Beitrag setzt die zweite Stufe voraus und zeigt, wie Sie in einem solchen Zeugnis die Formulierungen erkennen und die Noten entschlüsseln.
Geheimcodes im Arbeitszeugnis und verbotene Formulierungen
Unzulässig im Rechtssinn sind Zeichen mit einer verdeckten Zusatzaussage, etwa ein Hinweis auf Krankheit oder Privatleben, und sie sind selten. Was als Codes im Arbeitszeugnis kursiert, ist zum größten Teil die offen dokumentierte Zeugnissprache dieses Beitrags, zum kleineren Teil unbelegte Folklore. Wie Sie einen echten Geheimcode von der Zeugnissprache unterscheiden und Ihr Arbeitszeugnis prüfen, steht im Beitrag zum Prüfen des Arbeitszeugnisses.
Die Notenskala im Arbeitszeugnis entschlüsselt
Kurz: Fünf Stufen von sehr gut bis mangelhaft, darunter die Bemühens-Formel als unterste. Zwei Stellschrauben bestimmen die Bewertung: das Wort „stets“ und die Steigerung der Zufriedenheit.
Die zusammenfassende Leistungsbeurteilung steht gegen Ende des Textes und beginnt meist mit „Er erledigte die ihm übertragenen Aufgaben“ oder „Sie erfüllte ihre Aufgaben“. Die Bewertung liegt im Rest des Satzes, von Note 1 bis zur Bemühens-Formel.
| Stufe | Formulierung und Lesart |
|---|---|
| sehr gut (1) | „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ Spitzenformel. Das grammatisch unmögliche „vollsten“ ist gewollt und Standard |
| gut (2) | „stets zu unserer vollen Zufriedenheit“ Gute Leistung über die gesamte Zeit |
| befriedigend (3) | „zu unserer vollen Zufriedenheit“ Ohne „stets“ fehlt die Kontinuität. Durchschnitt, auch nach der Rechtsprechung |
| ausreichend (4) | „zu unserer Zufriedenheit“ Ohne Steigerung. Klingt freundlich und bescheinigt das Minimum |
| mangelhaft (5) | „im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit“ Die Einschränkung sagt, dass es Ausnahmen gab |
| unterste Stufe | „Er bemühte sich, die ihm übertragenen Aufgaben zu erledigen.“ Bescheinigt Anstrengung ohne Ergebnis |
Ob die Bemühens-Formel als Note 6 gezählt oder zu mangelhaft gerechnet wird, handhaben Ratgeber verschieden. Für den Leser liegt sie unterhalb von allem, was ein Zeugnis noch aussagen kann. Rechtlich gilt die Formel der dritten Stufe als durchschnittliche Leistung. Wer vom Arbeitgeber eine bessere Bewertung verlangt, muss die überdurchschnittliche Leistung darlegen und beweisen, und wer schlechter als befriedigend bewerten will, trägt die Beweislast dafür (BAG, Urteil vom 18.11.2014, 9 AZR 584/13). Wie eine Berichtigung durchgesetzt wird und welche Fristen dabei laufen, steht im Beitrag zum Prüfen des Zeugnisses.
Zwischenformen: Superlativ ohne „stets“, „stets zufrieden“ und Klartext
Nicht alle Formulierungen im Zeugnis treffen eine Zeile der Tabelle. Vier Zwischenformen kommen häufig vor, und bei ihnen stimmen die Ratgeber nicht überein. Der Superlativ ohne „stets“ wird meist als gut gelesen, von manchen zwischen sehr gut und gut. „Stets zu unserer Zufriedenheit“ verbindet Kontinuität mit fehlender Steigerung und landet in der Praxis bei befriedigend, gelegentlich bei ausreichend. „Meist zu unserer Zufriedenheit“ liegt bei mangelhaft. Klartextformen wie „Ihre Leistungen haben wir stets als sehr gut beurteilt“ entsprechen der genannten Stufe und sind kein Signal für etwas anderes, manche Personalabteilungen schreiben so. Bei jeder Zwischenform entscheidet das Gesamtbild aus Einzelmerkmalen, Führungsleistung und Schlusssatz.
Formulierungen für Fachwissen, Arbeitsweise und Arbeitserfolg in fünf Stufen
Kurz: Vor der Gesamtnote bewertet das Zeugnis einzelne Merkmale, jedes in derselben Abstufung. Konkrete Erfolge stehen in der Praxis nur in den beiden oberen Stufen.
Die Merkmale folgen in Arbeitszeugnissen einer üblichen Reihenfolge: Arbeitsbereitschaft und Belastbarkeit, Fachwissen, Arbeitsweise, Arbeitserfolg, danach die Gesamtnote. In einem Managerzeugnis stehen sie oft paarweise in einem Satz, etwa Motivation und Belastbarkeit, damit Platz für Führung und Ergebnisse bleibt. Gelesen wird ihre Stufe trotzdem. Die Bauweise ist überall gleich. In der Spitzenstufe stehen Verstärker wie „stets“, „jederzeit“, „äußerst“ oder „hervorragend“, und sie nennt ein Ergebnis. Note 2 behält „stets“ und verzichtet auf den Superlativ. Note 3 bewertet ohne Verstärker, Note 4 schränkt ein, und die unterste Stufe bescheinigt Bemühen. Die folgenden Sätze zeigen diese Bauweise mit erfundenen Beispielzahlen. Für Ihr eigenes Zeugnis taugen sie als Maßstab und nicht zum Abschreiben, weil erfahrene Leser typische Formulierungen aus dem Netz erkennen.
Arbeitsbereitschaft und Belastbarkeit
| Stufe | Formulierung |
|---|---|
| 1 | „Sie zeigte stets ein sehr hohes Maß an Eigeninitiative und Einsatzbereitschaft und blieb auch unter hoher Belastung jederzeit leistungsstark und souverän.“ |
| 2 | „Sie zeigte stets ein hohes Maß an Eigeninitiative und war auch unter Belastung sicher und leistungsstark.“ |
| 3 | „Sie zeigte Eigeninitiative und war belastbar.“ |
| 4 | „Sie zeigte im Allgemeinen Engagement und war den Anforderungen gewachsen.“ |
| 5 | „Sie bemühte sich, den Anforderungen gerecht zu werden.“ |
Fachwissen
| Stufe | Formulierung |
|---|---|
| 1 | „Er verfügte über umfassende, jederzeit abrufbare Kenntnisse, die er auch in angrenzenden Bereichen sehr erfolgreich einsetzte.“ |
| 2 | „Er verfügte über fundierte und breite Fachkenntnisse, die er sicher einsetzte.“ |
| 3 | „Er verfügte über solide Fachkenntnisse.“ |
| 4 | „Er verfügte über die erforderlichen Kenntnisse.“ |
| 5 | „Er bemühte sich, seine Kenntnisse auf dem aktuellen Stand zu halten.“ |
Arbeitsweise
| Stufe | Formulierung |
|---|---|
| 1 | „Sie arbeitete stets äußerst zielstrebig, strukturiert und mit größter Sorgfalt, auch bei hoher Komplexität.“ |
| 2 | „Sie arbeitete stets zielstrebig, strukturiert und sorgfältig.“ |
| 3 | „Sie arbeitete zielstrebig und sorgfältig.“ |
| 4 | „Sie arbeitete im Wesentlichen sorgfältig.“ |
| 5 | „Sie war bemüht, sorgfältig zu arbeiten.“ |
Arbeitserfolg
| Stufe | Formulierung |
|---|---|
| 1 | „Er erzielte stets hervorragende Ergebnisse, etwa mit der Senkung der Durchlaufzeiten um ein Viertel innerhalb eines Jahres.“ |
| 2 | „Er erzielte stets gute Ergebnisse, unter anderem beim Aufbau des neuen Standorts, den er im Zeitplan abschloss.“ |
| 3 | „Seine Arbeitsergebnisse entsprachen in vollem Umfang unseren Anforderungen.“ |
| 4 | „Seine Arbeitsergebnisse entsprachen unseren Anforderungen.“ |
| 5 | „Er bemühte sich, die gesteckten Ziele zu erreichen.“ |
Zwei Regeln aus der Praxis ergänzen die Tabellen. Ab der dritten Stufe nennen Aussteller in der Regel keine konkreten Erfolge mehr, weshalb ein Personalberater eine ausführliche Aufgabenbeschreibung mit knapper Beurteilung als Durchschnitt liest, auch ohne Formel darunter. Wertungen gehören in die Beurteilung und nicht in die Aufgabenbeschreibung, ein „erfolgreich“ zwischen den Aufgaben verrät den Eigenentwurf.
Formulierungen für Führungskräfte: die Führungsleistung je Note
Kurz: Bei Führungskräften bewertet ein eigener Absatz die Führungsleistung, in denselben Abstufungen wie die fachlichen Merkmale. Fehlt dieser Absatz, fehlt dem Zeugnis der Teil, an dem die nächste Position gemessen wird.
Ein Managerzeugnis ohne Führungsbezug trägt für eine gleichwertige oder höhere Position nicht, auch wenn jede fachliche Formel die Spitzenstufe zeigt. Der Absatz zur Führung nennt die Zahl der Mitarbeitenden, bewertet Führungsstil, Mitarbeiterentwicklung und Delegation und belegt die beiden oberen Stufen mit einem Ergebnis. Die Zahlen in den Beispielen sind erfunden.
| Stufe | Formulierung Führungsleistung |
|---|---|
| 1 | „Sie führte ihr Team von 45 Mitarbeitenden stets vorbildlich, förderte es gezielt in seiner Entwicklung und erreichte mit ihm jederzeit sehr gute Ergebnisse, zuletzt, indem sie die Fluktuation in zwei Jahren halbierte.“ |
| 2 | „Sie führte ihr Team stets zielorientiert und motivierend, entwickelte ihre Mitarbeitenden weiter und erreichte mit ihnen gute Ergebnisse, etwa bei der Einführung des neuen Vertriebssystems.“ |
| 3 | „Sie führte ihr Team zielorientiert und wurde von ihren Mitarbeitenden anerkannt.“ |
| 4 | „Sie führte ihr Team und wurde von ihren Mitarbeitenden akzeptiert.“ |
| 5 | „Sie war stets bemüht, ihr Team zu führen und zu motivieren.“ |
Formulierungen ab Bereichsleitung: Ergebnis, Budget, Umbau und Gremien
Die Beispiele der meisten Ratgeber sind auf Teamleitung zugeschnitten. Ab Bereichsleitung kommen Ergebnisverantwortung, Budget, der Umbau der Organisation und die Zusammenarbeit mit Gremien hinzu. Die Abstufung zeigt sich dort weniger im Adjektiv als in der Frage, ob ein Ergebnis mit Größenordnung genannt wird oder nur eine Aufgabe.
| Bereich | Formulierung |
|---|---|
| Ergebnis 1 bis 2 | „Er verantwortete das Ergebnis des Bereichs mit 30 Millionen Euro Umsatz und übertraf die Planziele in allen drei Geschäftsjahren.“ |
| Ergebnis 3 bis 4 | „Er verantwortete das Ergebnis des Bereichs und erreichte die Planziele.“ |
| Budget 1 bis 2 | „Das Kostenbudget von 6 Millionen Euro hielt er stets ein und senkte die Sachkosten um ein Zehntel.“ |
| Budget 3 bis 4 | „Er war für das Kostenbudget des Bereichs verantwortlich.“ |
| Umbau 1 bis 2 | „Die Zusammenlegung der beiden Standorte führte er im Zeitplan und mit hoher Akzeptanz bei Belegschaft und Betriebsrat durch.“ |
| Umbau 3 bis 4 | „Er begleitete die Zusammenlegung der beiden Standorte.“ |
| Gremien 1 bis 2 | „Die Zusammenarbeit mit Geschäftsführung und Aufsichtsrat war stets von Vertrauen geprägt, seine Investitionsvorlage über 12 Millionen Euro billigte der Aufsichtsrat ohne Änderung.“ |
| Gremien 3 bis 4 | „Er berichtete regelmäßig an die Geschäftsführung.“ |
Was der Leser je Funktion zusätzlich erwartet
Welche Merkmale über die Führungsleistung hinaus gewürdigt werden sollten, hängt von der Funktion ab. Bei Filial- und Restaurantleitern sind das Umsatz, Personaleinsatz, Inventurdifferenzen und Kundenzufriedenheit, bei Bauleitern Termin- und Kostentreue, Arbeitssicherheit und Nachunternehmer, bei kaufmännischen Leitern Abschluss, Liquidität, Banken und Wirtschaftsprüfer, bei Vertriebsleitern Umsatz, Marge und Vertriebsmannschaft. Das Zeugnis eines leitenden Angestellten nennt außerdem Prokura oder Einstellungsbefugnis in der Aufgabenbeschreibung und die Geschäftsführung als Bezugsgruppe in der Verhaltensbeurteilung. Für Geschäftsführer verschiebt sich der Maßstab ganz auf die Unternehmensebene, und der Aussteller ist die Gesellschafterversammlung oder das Aufsichtsgremium. Den Sonderfall Geschäftsführer behandelt der Beitrag zum Prüfen des Arbeitszeugnisses in einem eigenen Abschnitt.
Maßgeschneiderte Bewerbungen
Experten-Tipp
Aus der Praxis: Vergleichen Sie zuerst das „stets“ in der Gesamtformel mit dem im Absatz zur Führung. Fehlt es dort, ist das die Stelle, an der ein Personalberater innehält, ganz gleich, welche Note am Ende steht.
Christina Becker
Executive Recruiting & LinkedIn-Branding Expertin
Vertrauliches Erstgespräch vereinbaren
Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitenden und Kunden: Reihenfolge und Abstufung
Kurz: Die Bewertung des Sozialverhaltens nennt Vorgesetzte, Kollegen und Mitarbeitende in dieser Reihenfolge, bei Rollen mit Außenkontakt danach Kunden und Geschäftspartner. Die Stufe steckt in „jederzeit“ und „vorbildlich“, die Botschaft oft in der Gruppe, die fehlt.
| Stufe | Formulierung |
|---|---|
| 1 | „Ihr persönliches Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern und Kunden war jederzeit vorbildlich.“ |
| 2 | „Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern war stets einwandfrei.“ |
| 3 | „Gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern war ihr Verhalten einwandfrei.“ |
| 4 | „Ihr Verhalten war gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern korrekt und gab keinen Anlass zu Beanstandungen.“ |
| 5 | „Sie bemühte sich um ein korrektes Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern.“ |
Zwei Abweichungen von der Reihenfolge werden unterschieden. Eine Umkehrung stellt die Kollegen vor die Vorgesetzten und wird als Hinweis auf Reibung nach oben gelesen. Eine Auslassung nennt eine Gruppe gar nicht: Stehen nur Kollegen und Kunden da, fehlt die Führungsebene, stehen nur Vorgesetzte und Kunden da, fehlt das Team. Bei einer Führungskraft wiegt das Fehlen der Mitarbeitenden am schwersten, weil sie an genau dieser Gruppe gemessen wird.
Ab Bereichsleitung treten Geschäftsleitung, Gesellschafter oder Aufsichtsrat an die erste Stelle, der Betriebsrat folgt als eigene Gruppe, etwa so: „Sein Verhalten gegenüber Geschäftsführung und Gesellschaftern, den Führungskräften und Mitarbeitenden seines Bereichs sowie gegenüber dem Betriebsrat war jederzeit vorbildlich.“ Fehlt auf dieser Ebene die Geschäftsleitung, liest der Empfänger einen Konflikt nach oben. Das Verhalten nach außen bekommt in Vertriebs- und Geschäftsführungsrollen oft einen eigenen Satz: „Bei Kunden und Geschäftspartnern war sie als verlässliche Ansprechpartnerin sehr geschätzt und vertrat das Unternehmen jederzeit überzeugend.“
Ob der Text „Mitarbeiter“, „Mitarbeitende“ oder „Kolleginnen und Kollegen“ schreibt, verschiebt die Bewertung nicht. Personalabteilungen folgen ihrem Hausstil. Gelesen werden Verstärker und Reihenfolge, nicht die Endung.
Woran der Leser die Schlussformel im Arbeitszeugnis misst
Kurz: Dank, Bedauern und gute Wünsche sind freiwillig, und gerade deshalb wird ihre Abstufung gelesen. Einen gesetzlichen Anspruch darauf gibt es nicht.
Das Bundesarbeitsgericht begründet das mit den persönlichen Empfindungen des Arbeitgebers, die der Schlusssatz ausdrückt (2012 entschieden, 2022 bestätigt, 9 AZR 227/11 und 9 AZR 146/21). Durchsetzbar wird die Schlussformel erst, wenn sie vereinbart ist, etwa im Aufhebungsvertrag. In der Personalpraxis wird der Schlusssatz trotzdem als Bestätigung der Gesamtnote gelesen, und ein Text mit Bestnoten und knappem Schluss wirkt in sich widersprüchlich. Zwei Wörter machen die Abstufung: das „sehr“ im ersten Satz und das „weiterhin“ beim Erfolg, denn wer „weiterhin“ Erfolg wünscht, bescheinigt ihn für die Vergangenheit.
| Stufe | Dank, Bedauern und Zukunftswunsch |
|---|---|
| 1 | „Wir bedauern ihr Ausscheiden sehr und danken ihr für die stets hervorragende Zusammenarbeit. Für ihre berufliche und private Zukunft wünschen wir ihr weiterhin viel Erfolg und alles Gute.“ |
| 2 | „Wir bedauern ihr Ausscheiden und danken ihr für die gute Zusammenarbeit. Wir wünschen ihr für die Zukunft weiterhin Erfolg und alles Gute.“ |
| 3 | „Wir danken ihr für die Zusammenarbeit. Wir wünschen ihr für die Zukunft alles Gute und Erfolg.“ |
| 4 | „Wir danken ihr für ihre Mitarbeit. Wir wünschen ihr für die Zukunft alles Gute.“ |
| 5 | kein Dank, kein Wort zum Ausscheiden, „Wir wünschen ihr für ihre weiteren Bemühungen viel Glück.“ oder gar kein Wunsch |
Zwischenzeugnis: dieselben Formulierungen in der Gegenwart
Im Zwischenzeugnis stehen die Formeln im Präsens („erledigt“ statt „erledigte“), und die Zeile zum Ausscheiden entfällt, weil niemand geht. An ihre Stelle tritt üblicherweise der Satz „Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit“. Der Dank bleibt, und sein Fehlen wird wie im Endzeugnis gelesen, das meist auf dem Zwischenzeugnis aufbaut. Wann Sie ein Zwischenzeugnis verlangen können, steht im Beitrag zum Prüfen des Arbeitszeugnisses.
Einzelwörter mit Notenwert: solide, durchaus, im Wesentlichen und stets
Kurz: Einzelne Wörter haben einen Notenwert, aber nur im Satz. „solide“ ist befriedigend, „stets“ hebt um eine Stufe, „im Wesentlichen“ senkt.
Die Tabelle bündelt, was die Ratgeber verstreut nennen. Dasselbe Wort wiegt je nach Umgebung verschieden: In einer Aufzählung mit Verstärkern fällt „solide“ kaum auf, als einzige Aussage zu den Kenntnissen ist es die Note.
| Wort oder Wendung | Notenwert in der Praxis |
|---|---|
| stets, jederzeit, immer, etwa „stets zuverlässig“ | Kontinuität, Voraussetzung für die beiden oberen Stufen |
| äußerst, hervorragend, außerordentlich, in jeder Hinsicht, etwa „in jeder Hinsicht hervorragende Ergebnisse“ | Verstärker der Spitzenstufe |
| sehr gut, umfassend, fundiert, etwa „fundierte Kenntnisse“ | sehr gut bis gut |
| gut, sicher, zuverlässig, etwa „arbeitete zuverlässig“ | gut mit „stets“, ohne „stets“ befriedigend |
| solide, etwa „solide Fachkenntnisse“ | befriedigend, „solides Grundwissen“ eher ausreichend |
| durchaus, etwa „durchaus zufriedenstellend“ | Einschränkung, befriedigend bis ausreichend |
| erforderlich, ausreichend, den Anforderungen entsprechend, etwa „die erforderlichen Kenntnisse“ | ausreichend |
| im Wesentlichen, im Allgemeinen, grundsätzlich, im Großen und Ganzen, etwa „im Wesentlichen sorgfältig“ | ausreichend bis mangelhaft |
| meist, in der Regel, weitgehend, etwa „meist termingerecht“ | ausreichend bis mangelhaft |
| bemüht, bestrebt, versuchte, etwa „war stets bestrebt“ | unterste Stufe |
Auch die Satzform zählt: „wurde eingesetzt“ oder „wurde betraut“ beschreibt jemanden, dem etwas zugewiesen wurde, „übernahm“ oder „verantwortete“ jemanden, der handelte. Alltagswörter wie „gesellig“ oder „kontaktfreudig“ haben für sich keinen belegten Notenwert. Die verbreitete Deutung als Alkohol-Hinweis ist nicht belegt. Auffällig wird ein solches Wort nur, wenn es die einzige Aussage zum Sozialverhalten ist.
Gutes oder schlechtes Arbeitszeugnis? Formulierungen prüfen bei fehlender Formel, Widersprüchen und glatter Eins
Kurz: In vier Fällen reichen die Tabellen nicht: wenn die Zufriedenheitsformel fehlt, wenn Einzelnoten und Gesamtnote sich widersprechen, wenn unklar ist, ob eine Abwertung Absicht war, und wenn die Eins zu glatt ist.
Fehlende Zufriedenheitsformel. Standardtexte internationaler Arbeitgeber, manche Konzerne und Klartextzeugnisse verzichten auf die Formel. Dann ergibt sich die Bewertung aus den Einzelmerkmalen, dem Absatz zur Führung und dem Schlusssatz, und das Fehlen ist kein Signal. Anders liegt es, wenn ein klassisch aufgebautes Zeugnis alle anderen Formeln enthält und nur die Gesamtnote fehlt. Dann ist die Lücke die Aussage, und für sie gilt, was im Beitrag zum Prüfen des Zeugnisses über das beredte Schweigen steht.
Widersprüchliche Formulierungen. Einzelmerkmale und Gesamtformel müssen zueinander passen, ein Text mit „gut“ in den Merkmalen und der Spitzenformel am Ende ist in sich widersprüchlich. Personalberater bilden daraus selten einen Durchschnitt. Sie fragen, an welcher Stelle die eigentliche Bewertung steht, und das ist oft die Einzelbewertung, weil Gesamtformeln häufig aus dem Standardtext stammen. Ein solcher Widerspruch ist ein guter Anlass, dem Arbeitgeber alternative Formulierungen vorzuschlagen.
Absicht oder Unkenntnis. Eine einzelne fehlende Steigerung in einem sonst durchgehend guten Zeugnis mit vollem Schlusssatz spricht für Unkenntnis des Ausstellers. Abstufungen an mehreren Stellen, die zueinander passen, dazu ein knapper Schluss, sprechen für Absicht. Bei Unkenntnis genügt meist ein Formulierungsvorschlag mit Begründung, bei Absicht beginnt die Frage nach der Beweislast.
Die glatte Eins. Weil in der Mehrzahl der ausgestellten Zeugnisse gute und sehr gute Formeln stehen, sagt eine Eins allein wenig. Ist das Arbeitszeugnis sehr gut, wird es belastbar durch das, was die Formeln stützt: Ergebnisse mit Größenordnung in der Aufgabenbeschreibung, ein eigener Absatz zur Führungsleistung und die Unterschrift einer Ebene über Ihrer. Datum, Unterschrift und ein Rechtschreibfehler im Arbeitszeugnis gehören zur Schritt-für-Schritt-Prüfung im selben Beitrag. Ein Gefälligkeitszeugnis erkennt der Empfänger an Formeln ohne Substanz, ein gutes Arbeitszeugnis an Zahlen, die er im Lebenslauf wiederfindet.
Der nächste Schritt: Arbeitszeugnisse für Führungskräfte, deren Formulierungen die Bewertung tragen
Ob ein Arbeitszeugnis gut ist, entscheidet der Leser an den Stellen aus diesem Beitrag: an der Gesamtformel, an den Einzelmerkmalen, am Absatz zur Führung und am Schlusssatz. Wer sein Arbeitszeugnis erhalten hat, sollte es an diesen Stellen prüfen, bevor es in die Bewerbungsunterlagen wandert. Dort liest es jemand, der ein befriedigendes Zeugnis von einem guten unterscheidet. Sobald ein Arbeitszeugnis ausgestellt ist, lässt es sich nur mit Aufwand ändern, ein Entwurf dagegen leicht. Wir formulieren Arbeitszeugnisse für Führungskräfte, in denen jede Formel auf der Stufe steht, die Ihre Leistung verdient, mit der Führungsleistung als eigenem Absatz und Ergebnissen, die ein Personalberater nachprüfen kann. Es lohnt sich, ein vorhandenes Zeugnis vor der Bewerbung bei uns prüfen zu lassen. Den Rahmen finden Sie unter Arbeitszeugnis für Führungskräfte, den Ablauf unter Arbeitszeugnis schreiben lassen. Die Zusammenarbeit beginnt mit einem vertraulichen Gespräch über Ihre Position und das Zeugnis, das Sie brauchen.
Lieber direkt sprechen?
Im vertraulichen Erstgespräch klären wir Ihre Ausgangslage und den Weg zu Ihrer Zielposition.
Erstgespräch vereinbarenHäufige Fragen zum Arbeitszeugnis und seinen Noten
Welche Note hat mein Arbeitszeugnis?
Lesen Sie zuerst die zusammenfassende Leistungsbeurteilung gegen Ende des Textes und ordnen Sie die Zufriedenheitsformel in der Skala ein. Prüfen Sie dann, ob Einzelmerkmale, Führungsleistung und Schlusssatz auf derselben Stufe stehen. Passt alles zusammen, ist das Ihre Bewertung. Weichen mehrere Stellen in dieselbe Richtung nach unten ab, ist das die eigentliche Aussage. Eine einzelne Abweichung spricht eher für einen unerfahrenen Aussteller.
„Zu unserer vollsten Zufriedenheit“ ohne „stets“: welche Note ist das?
In der Praxis gut. Manche Leser ordnen die Formel zwischen sehr gut und gut ein, weil der Superlativ steht und nur die Kontinuität fehlt. Steht dagegen „stets“ ohne jede Steigerung, liegt die Formel bei befriedigend.
Welche Note bedeutet „solide Fachkenntnisse“?
Befriedigend. „Solide“ ist eine Aussage ohne Verstärker und steht in der Skala auf der dritten Stufe. „Solides Grundwissen“ wird eher als ausreichend gelesen, weil „Grundwissen“ die Tiefe einschränkt. Trägt die Führungsleistung daneben Bestnoten, wiegt das „solide“ für eine Führungsposition weniger, als Einzelmerkmal unter einer Spitzenformel fällt es trotzdem auf.
Was bedeutet Note 4 im Arbeitszeugnis?
Ausreichend, in der Zufriedenheitsformel „zu unserer Zufriedenheit“ ohne Steigerung und ohne „stets“. Ein solches Zeugnis liegt unter dem Durchschnitt. Will der Arbeitgeber schlechter als befriedigend bewerten, trägt er im Streitfall die Beweislast. Das stärkt Ihre Position, wenn Sie außergerichtlich eine Berichtigung mit konkretem Formulierungsvorschlag verlangen.
Was steht im Zeugnis eines leitenden Angestellten zusätzlich?
Die Befugnisse, die die Position ausmachen, also Prokura, Einstellungs- und Entlassungsbefugnis, Budget und Berichtslinie in der Aufgabenbeschreibung, ein eigener Absatz zur Führungsleistung mit Ergebnis und die Geschäftsführung oder die Gesellschafter als Bezugsgruppe in der Verhaltensbeurteilung. Fehlt eines davon, liest der Empfänger eine kleinere Rolle.
Welche Reihenfolge gilt im Verhalten bei Führungskräften?
Vorgesetzte, Kollegen, Mitarbeitende, danach Kunden oder Geschäftspartner. Ab Bereichsleitung treten Geschäftsleitung, Gesellschafter oder Aufsichtsrat an die erste Stelle, der Betriebsrat folgt als eigene Gruppe. Fehlen die Mitarbeitenden, wiegt das bei einer Führungskraft am schwersten.
Woran erkenne ich ein schwaches Zeugnis, das freundlich klingt?
An fehlenden Verstärkern in mehreren Merkmalen, an Einschränkungen wie „im Wesentlichen“ oder „meist“, an einer Verhaltensbeurteilung, in der eine Gruppe fehlt, und an einem Schlusssatz ohne Dank. Ein einzelnes dieser Zeichen ist noch kein Urteil. Mehrere, die zueinander passen, sind es.







