Motivationsschreiben Führungskraft: Aufbau und Beispiele
Kurz zusammengefasst
Das Motivationsschreiben ist die dritte Seite der Bewerbung. Es beantwortet eine Frage, die der Brief offenlässt: Warum diese Rolle, warum jetzt? Der Beitrag zeigt, wann Führungskräfte die Seite brauchen, wie sie aufgebaut ist, mit Beispielsätzen je Teil, und was im eigenen Haus, bei der ersten Führungsrolle, beim Branchenwechsel, beim Aufsichtsratsmandat und nach einer Freistellung anders ist. Dazu Form, Länge und die Arbeitsteilung mit dem Brief.
Inhaltsverzeichnis
- Was das Motivationsschreiben als Führungskraft leisten muss
- Wann die dritte Seite bei der Jobsuche als Führungskraft in die Bewerbung gehört
- Wie Anschreiben, Lebenslauf und dritte Seite sich die Bewerbungsunterlagen teilen
- Aufbau der dritten Seite mit Beispielsätzen
- Führungsverständnis, Führungsstil und Soft Skills an einer Situation zeigen
- Führungserfahrung und Erfolge als Beleg für den Beweggrund
- Wie Sie den Bezug zum Unternehmen zeigen, ohne zu belehren
- Tonalität nach Branche und Unternehmenstyp
- Interne Bewerbung als Führungskraft und die erste Führungsposition
- Branchenwechsel, Freistellung und Lücke: Motivation ohne Rechtfertigung
- Was die Motivation für ein Aufsichtsrats- oder Beiratsmandat anders macht
- Adressat nach Bewerbungsweg: Personalverantwortliche, Personalberater, Gesellschafter
- Wie lang die dritte Seite ist und wie sie in die Bewerbungsmappe, ins PDF oder ins Textfeld kommt
- Typische Fehler auf der dritten Seite
- Der nächste Schritt: Bewerbungsunterlagen für Führungskräfte bis zum Vorstellungsgespräch
Was das Motivationsschreiben als Führungskraft leisten muss
Die kurze Antwort: Die dritte Seite beantwortet dem Entscheider die Frage, warum Sie diese Rolle wollen und warum jetzt. Das Anschreiben sagt, welche Aufgabe Sie übernehmen und was Sie dafür erreicht haben. Der Lebenslauf belegt es. Die „dritte Seite“ erklärt den Beweggrund dahinter, Ihr Führungsverständnis und das Karriereziel, das Sie mit der Position verbinden.
Wer eine Bewerbung als Führungskraft liest, kennt den Werdegang nach zwei Minuten. Was er daraus nicht ablesen kann, ist der Antrieb, und an ihm liest er ab, ob Sie in drei Jahren voraussichtlich noch da sind. Ein überzeugendes Motivationsschreiben beantwortet diese Frage, bevor sie gestellt wird.
Ein Wort zur Begriffsverwirrung: In Österreich und in der Schweiz heißt oft schon der Bewerbungsbrief Motivationsschreiben, gemeint ist dann das Anschreiben für Führungskräfte. Hier geht es um die zusätzliche Seite, die hinter Brief und Lebenslauf steht und deshalb auch „dritte Seite“ heißt.
Wann die dritte Seite bei der Jobsuche als Führungskraft in die Bewerbung gehört
Kurz: Auf Anforderung immer, ungefragt nur bei einem Branchen- oder Funktionswechsel und bei einer längeren Lücke, die die letzte Station ist. In allen anderen Fällen wirkt eine ungefragte dritte Seite wie die Erklärung einer Schwäche, die niemand gesehen hat.
Angefordert wird sie auf Führungsebene selten, am ehesten bei Stiftungen und Verbänden, im öffentlichen Sektor und in manchen Familienunternehmen, gelegentlich auch bei ausgeschriebenen Beirats- oder Aufsichtsratsmandaten. Steht die Anforderung in der Stellenanzeige oder kommt sie vom Personalberater, entfällt die Frage. Fehlt sie, gilt die Regel oben.
Ein Grenzfall ist die Initiativbewerbung für Führungskräfte. Dort übernimmt der Bezug auf das Haus im Brief die Rolle des Anlasses. Eine dritte Seite folgt auch hier der Regel oben.
Wie Anschreiben, Lebenslauf und dritte Seite sich die Bewerbungsunterlagen teilen
Kurz: Anlass des Wechsels, Ergebnisse, Unternehmensbezug, Eintrittstermin und Gehaltsvorstellung stehen im Anschreiben. Beweggrund, Führungsverständnis, Werte und Karriereziel stehen auf der dritten Seite. Nichts davon steht doppelt, außer einem Ergebnis, das die dritte Seite unter der Frage nach dem Warum aufgreift.
Wenn beides verlangt ist, entsteht die Doppelung meist im Hauptteil. Das Bewerbungsschreiben nennt zwei oder drei Anforderungen der Stelle und belegt sie mit Ergebnissen. Die dritte Seite greift höchstens eines dieser Ergebnisse noch einmal auf, unter einer anderen Frage: was Sie daran erkannt haben und warum Sie es im neuen Haus wieder suchen. Der Anlass des Wechsels, auch ein unbequemer nach Restrukturierung oder Gesellschafterwechsel, bleibt im Brief, ebenso die Gehaltsvorstellung, wenn die Anzeige sie verlangt. Aufbau, typische Fehler und Gehaltsfrage stehen im Beitrag zum Anschreiben. Der Lebenslauf für eine Bewerbung auf Führungsebene belegt beide Texte mit Stationen und Zahlen und erklärt nichts.
Aufbau der dritten Seite mit Beispielsätzen
Kurz: Überschrift, ein Einstieg ohne Floskel, der Beweggrund für die Rolle, das Führungsverständnis an einer Situation und ein Schluss mit einem Gesprächsanlass. Eine Seite, vier bis fünf Absätze, ohne Begrüßung und Grußformel, dafür mit Ort, Datum und Unterschrift.
Die Beispielsätze zeigen die Bauweise. Situation, Beleg und Werte folgen in eigenen Abschnitten, auf der Seite stehen sie zwischen Beweggrund und Schluss. Nicht jeder dieser Bausteine gehört auf jede Seite. Wählen Sie die zwei, die Ihren Beweggrund am besten belegen. Die Zahlen sind erfunden und beziehen sich auf kein reales Unternehmen. Übernehmen Sie die Form, nie die Sätze, weil erfahrenen Personalverantwortlichen Formulierungen aus dem Netz auffallen und den ersten Eindruck bestimmen.
Überschrift, Anrede und Unterschrift
Die Seite trägt eine Überschrift, die ihren Inhalt nennt, etwa „Was mich an der gemeinsamen Leitung Ihrer drei Werke interessiert“ oder schlicht „Meine Motivation“. Angesprochen wird niemand, weil die Seite eine Beilage ist, und aus demselben Grund entfällt die Grußformel. Am Ende stehen Ort, Datum und die Unterschrift, weil Sie die Aussagen verantworten. Zwischenüberschriften stören auf einer Seite mehr, als sie ordnen.
Der Einstieg
Der erste Satz nennt den Punkt, an dem Ihre Motivation für diese Rolle entstanden ist. Eine Beobachtung aus Anzeige, Geschäftsbericht oder einem Gespräch reicht, solange sie zu Ihnen führt und nicht zu einer Diagnose des Hauses. Einen schwachen Einstieg erkennen Sie daran, dass er für jedes andere Unternehmen der Branche gelten würde.
Beispiel: „Dass Sie die Leitung Ihrer drei Werke erstmals in einer Hand zusammenfassen wollen, hat mich an meine eigene Ausgangslage vor fünf Jahren erinnert. Damals habe ich zwei Standorte übernommen, die sich als Wettbewerber verstanden.“
Der Beweggrund: warum diese Rolle, warum jetzt
Der zweite Absatz ist der Kern der Seite. Er beantwortet die Frage des Lesers nach dem Warum mit etwas, das an Ihrer Berufserfahrung hängt. Führungskräfte, die schreiben, sie suchten „eine neue Herausforderung“, haben noch nichts gesagt. Wer schreibt, welche Aufgabe im jetzigen Haus abgeschlossen ist und welche im neuen offen steht, hat überzeugend begründet, warum jetzt. Zwei Beweggründe sind genug, einer davon sollte mit dem Unternehmen zu tun haben.
Beispiel: „Die Integration der beiden Standorte ist abgeschlossen, die Führungsmannschaft steht, und ich merke seit einem Jahr, dass mich das Halten eines Zustands weniger trägt als das Zusammenführen. Ihre Ausschreibung beschreibt drei Werke, die zum ersten Mal eine gemeinsame Leitung bekommen. Das ist die Aufgabe, für die ich meine Erfahrung einsetzen will.“
Der Schluss mit einem Gesprächsanlass
Der Schluss bringt kein Konzept mit. Ein Programm für die ersten hundert Tage gehört weder in den Brief noch auf die dritte Seite, weil es ohne Kenntnis des Hauses eine Vermutung bleibt. Der Schluss nennt, worüber Sie im Gespräch sprechen wollen. Eintrittstermin und Verfügbarkeit stehen im Brief. Wie Vorstellungsgespräche für Führungskräfte ablaufen und welche Fragen zur Motivation dort gestellt werden, steht im eigenen Beitrag.
Beispiel: „Im Gespräch möchte ich vor allem erfahren, wie Ihre drei Standortleiter die Zusammenführung sehen, denn davon hängt ab, womit ich beginne.“
Führungsverständnis, Führungsstil und Soft Skills an einer Situation zeigen
Kurz: Ein Führungsstil ist erst belegt, wenn er an einer Entscheidung hängt. Nennen Sie eine Situation, Ihre Entscheidung und das, was sich danach verändert hat.
Entscheider wollen wissen, wie Sie Verantwortung abgeben und was Sie tun, wenn ein Leistungsträger geht. „Partizipativ“, „agil“ oder „wertschätzend“ beantworten das nicht, weil jeder Bewerber sie schreiben kann. Soft Skills wie emotionale Intelligenz und Hard Skills wie strategisches Denken belegen Sie mit derselben Situation, in der sie gebraucht wurden, im Beispiel unten mit dem Abgang eines Kundenbetreuers. Fachliche Qualifikation und Kompetenz setzt der Leser auf dieser Ebene voraus, auf der dritten Seite brauchen sie keinen Platz.
Beispiel: „Als mein erfahrenster Kundenbetreuer zu einem Wettbewerber ging, habe ich seine sechs Kunden auf zwei jüngere Kollegen verteilt und in den ersten Terminen nur zugehört. Keiner der sechs Kunden ist ihm gefolgt.“
Führungserfahrung und Erfolge als Beleg für den Beweggrund
Kurz: Erfolge stehen auf der dritten Seite als Beleg dafür, dass der Beweggrund trägt. Ein, höchstens zwei Beispiele aus der Vergangenheit, die zur Aufgabe passen.
Bei der Bewerbung um eine Führungsposition mit Restrukturierungsbedarf wählen Sie den Turnaround, bei einer Wachstumsaufgabe das Skalieren. Die Auswahl zeigt, ob Sie die Aufgabe verstanden haben.
Eine Zahl allein sagt wenig. „Umsatzsteigerung um 35%“ bekommt ihren Wert erst durch die Marktlage, die verfügbaren Mittel und die Widerstände. Auf Führungsebene zählt auch der Weg dorthin, also welche Entscheidung Sie getroffen haben, welches Risiko Sie eingegangen sind und was das Team dafür ändern musste. Im Brief bleibt dafür ein Halbsatz, auf der dritten Seite ein Absatz.
Beispiel: „Die 35% Umsatzwachstum in drei Jahren sind entstanden, nachdem ich den Außendienst von Gebieten auf Kundengruppen umgestellt hatte, gegen den Widerstand der beiden dienstältesten Regionalleiter, von denen einer gegangen ist. Ich würde es wieder so entscheiden, heute aber früher mit ihnen sprechen.“
Wie Sie den Bezug zum Unternehmen zeigen, ohne zu belehren
Kurz: Passung zeigen Sie, indem Sie einen Wert des Hauses in einer eigenen Erfahrung wiederfinden. Und indem Sie beobachten, statt zu urteilen.
Lesen Sie die Stellenausschreibung, die Website und den Geschäftsbericht auf wiederkehrende Begriffe. Spricht das Haus von „Mitarbeitenden“ oder von „Mitarbeitern“, von „Weiterentwicklung“ oder von „digitaler Transformation“? Übernehmen Sie die Sprache des Hauses, wo sie zu Ihnen passt. Werte dagegen gehören nicht als Zitat auf die Seite, weil den Satz „Ihr Wert Verantwortung entspricht meiner Überzeugung“ jeder schreiben kann. Glaubwürdig wird ein Wert durch eine Situation, in der Sie für ihn einen Preis gezahlt haben.
Beispiel: „Ihr Leitbild nennt kurze Entscheidungswege. Ich habe in meinem Bereich die Freigabegrenze der Abteilungsleiter verfünffacht und dafür in Kauf genommen, dass zwei Entscheidungen im ersten Jahr schiefgingen. Beide wurden im Team korrigiert, ohne dass ich eingreifen musste.“
Die Grenze verläuft zwischen Beobachtung und Belehrung. „Ich habe gesehen, dass Sie den Vertrieb neu ordnen“ ist eine Beobachtung. „Ihr Vertrieb braucht dringend eine neue Struktur“ ist eine Diagnose, die Sie ohne Kenntnis des Hauses nicht stellen können. Herausforderungen nennen Sie deshalb nur, wenn das Haus sie selbst nennt. Ihren Mehrwert für das Unternehmen herauszustellen heißt, Ihre Erfahrung mit dieser Aufgabe zu nennen, nicht Ihr Urteil über sie.
Tonalität nach Branche und Unternehmenstyp
Kurz: Der Ton folgt dem Leser. Was im Konzern angemessen ist, wirkt im Familienunternehmen distanziert, und umgekehrt. Die Sprachregeln selbst, kurze Sätze, aktive Verben, keine Standardformulierungen, gelten wie im Brief.
| Branche oder Unternehmenstyp | Was der Leser auf der dritten Seite sucht | Ton |
|---|---|---|
| Konzern und Großunternehmen | Erfahrung mit Gremien, Aufsicht und Regelwerken, Entscheidungen in Matrixstrukturen | Sachlich, strukturiert, mit Zahlen |
| Familienunternehmen und Mittelstand | Verhältnis zu Eigentümern, Entscheidungen mit knappen Mitteln, Bleibeabsicht | Persönlich, direkt, ohne Konzernvokabular |
| Start-up und Wachstumsunternehmen | Aufbau von Strukturen, Tempo, Umgang mit Unsicherheit | Direkt, knapp, ergebnisbezogen |
| Stiftung, Verband, Non-Profit | Bezug zum Zweck der Organisation, Umgang mit Ehrenamt und Gremien | Zurückhaltend, am Zweck orientiert |
| Öffentlicher Sektor | Modernisierung in Verwaltungsstrukturen, politisches Gespür, Verlässlichkeit | Formell, sachlich, ausgleichend |
| Beratung und Dienstleistung | Kundenbeziehungen, Marktkenntnis, eigene fachliche Position | Analytisch, pointiert |
Interne Bewerbung als Führungskraft und die erste Führungsposition
Kurz: Im eigenen Haus schreiben Sie über den Bereich aus Sicht der neuen Rolle. Bei der ersten Führungsrolle nennen Sie den Moment, in dem Sie gemerkt haben, dass Sie Wirkung über andere suchen.
Die dritte Seite im eigenen Haus
Bei der internen Bewerbung kennt der Leser Ihre Erfolge. Sie noch einmal aufzuzählen, klingt nach Rechnung. Was er nicht kennt, ist Ihr Blick auf den Bereich aus der Rolle, die Sie übernehmen wollen: welche Aufgabe dort ansteht, was Sie anders machen würden und was Sie aus Ihrer jetzigen Position dafür mitbringen, geschrieben so, als müssten Sie die Stelle noch gewinnen.
Beispiel: „Aus dem Vertriebsinnendienst heraus sehe ich seit zwei Jahren, dass die Regionen dieselben Kunden mit unterschiedlichen Konditionen bedienen. Als Leiter Vertrieb würde ich mit einer gemeinsamen Konditionenlogik beginnen, weil ich weiß, wo die Ausnahmen entstehen.“
Der Wechsel vom Kollegen zum Vorgesetzten und die Nachfolge auf der eigenen Stelle gehören in den Brief, wie der Beitrag zur Bewerbung auf eine Führungsposition im eigenen Unternehmen beschreibt.
Die erste Führungsrolle: warum Sie Führungskraft werden wollen
Wer sich zum ersten Mal auf eine Stelle als Führungskraft bewirbt, als Teamleiter oder Abteilungsleiter, intern oder extern, wird gefragt, warum. „Weil es der nächste Schritt ist“ sagt dem Leser, dass Sie den Titel wollen, nicht die Aufgabe. Eine tragfähige Antwort nennt die Situation, in der Sie gemerkt haben, dass Sie Wirkung über andere suchen, und ist ehrlich über das, was Sie noch nicht kennen.
Beispiel: „Seit ich die drei Werkstudenten unserer Abteilung betreue, messe ich meinen Tag daran, was sie am Abend ohne mich gelöst haben. Personalgespräche und Beurteilungen habe ich noch nicht geführt. Das ist der Teil der Aufgabe, den ich lernen muss.“
Führungserfahrung ohne Titel, also Projekte, Vertretungen, Budgetverantwortung, belegen Sie im Brief und im Lebenslauf für Führungskräfte. Ohne dritte Seite steht dieser Beweggrund in einem Satz im Brief. Wird sie verlangt, wandert er dorthin und wird ausgeführt. Was für die Bewerbung als Teamleiter sonst gilt, steht im eigenen Beitrag.
Branchenwechsel, Freistellung und Lücke: Motivation ohne Rechtfertigung
Kurz: Beim Branchen- oder Funktionswechsel trägt die dritte Seite die Bewerbung, weil der Lebenslauf den Schritt nicht erklären kann. Nach einer Freistellung steht der Anlass in einem Satz im Brief, die dritte Seite blickt nach vorn.
Branchen- und Funktionswechsel
Die Frage des Lesers lautet hier: Was von dem, was Sie können, gilt bei uns noch? Beantworten Sie sie mit ein bis zwei übertragbaren Erfahrungen, die Sie hervorheben, und benennen Sie, was Sie neu lernen müssen. Werten Sie die bisherige Branche dabei nicht ab, denn wer sie zu langsam nennt, sagt dem neuen Haus, was er in drei Jahren über dieses schreiben wird.
Beispiel: „Die Abläufe eines Krankenhauses kenne ich bisher aus der Sicht des Lieferanten. Die Führung von 400 Beschäftigten im Dreischichtbetrieb, mit einem Betriebsrat, der jede Änderung des Dienstplans mitentscheidet, ist die Arbeit, die ich seit acht Jahren mache.“
Motivation nach Freistellung oder Lücke
Ist der Wechsel nicht freiwillig, entsteht auf der dritten Seite schnell ein Rechtfertigungston, und der ist schlimmer als der Anlass. Der Anlass steht sachlich in einem Satz im Brief. Wird die Seite verlangt, blickt sie nach einer Freistellung nach vorn und beantwortet, was Sie seither über Ihre nächste Aufgabe herausgefunden haben. Rechtfertigung erkennt der Leser an Sätzen mit „obwohl“ und „trotz“.
Beispiel: „Nach dem Ende meines Mandats habe ich zwei Angebote aus Konzernstrukturen abgelehnt, weil ich in beiden das Ergebnis nicht selbst verantwortet hätte. Ihre Ausschreibung ist die erste, in der Geschäftsführung Ergebnisverantwortung mit einem eigenen Standort bedeutet.“
Wie Sie Lücken im Werdegang darstellen und was nach einer Kündigung als Führungskraft zu klären ist, bevor Sie sich bewerben, steht in den eigenen Beiträgen.
Was die Motivation für ein Aufsichtsrats- oder Beiratsmandat anders macht
Kurz: Für ein Mandat begründen Sie, warum Sie in die Aufsicht wechseln wollen und was Sie dafür an Unabhängigkeit mitbringen. Der Ton ist zurückhaltender als bei einer Bewerbung um eine operative Position.
Ein Nominierungsausschuss oder ein Gesellschafter liest die Seite mit einer anderen Frage als bei einer Geschäftsführung: nicht ob Sie führen können, sondern ob Sie es lassen können. Relevant sind Erfahrungen aus anderen Gremien, aus Transaktionen und Krisen aus Sicht eines Kontrollorgans und die Branchenkenntnis, um eine Strategie beurteilen zu können.
Beispiel: „Nach zwanzig Jahren Geschäftsführung stelle ich meine Erfahrung mit zwei Eigentümerwechseln dort zur Verfügung, wo sie einer Geschäftsführung nützt, ohne ihr die Entscheidung abzunehmen. In meinem ersten Beiratsmandat habe ich gelernt, eine Frage zu stellen, statt eine Antwort zu geben.“
Für ein Mandat stellt man sich zur Verfügung. Wer es „anstrebt“, hat sich im Ton vergriffen. Drei Aussagen gehören außerdem auf die Seite: dass Sie unabhängig sind, also keine wesentliche geschäftliche oder persönliche Beziehung zum Haus, zum Vorstand oder zum beherrschenden Gesellschafter haben; dass Sie keine Funktion bei einem wesentlichen Wettbewerber ausüben; und dass Sie die Zeit für das Mandat haben.
Adressat nach Bewerbungsweg: Personalverantwortliche, Personalberater, Gesellschafter
Kurz: Die Seite ändert sich mit dem, der sie liest. Die Personalabteilung prüft die Passung zur Stelle, Gesellschafter und Beiräte die Passung zum Haus, Personalberater verlangen sie selten.
Bei einer ausgeschriebenen Stelle im Konzern lesen Personalabteilung und künftiger Vorgesetzter die Seite an der Anzeige entlang, deshalb bleibt sie nah an der beschriebenen Aufgabe. Im Familienunternehmen und bei Stiftungen liest oft der Inhaber oder ein Beirat selbst, und die Frage nach dem Bleiben wiegt schwerer als die nach der Erfahrung. Hier darf die Seite persönlicher werden, etwa mit dem Bezug zur Region. Beim Weg über Personalberater und Headhunter ersetzt eine kurze Nachricht mit Position, Branche, Verantwortung und Ziel den Brief. Eine dritte Seite kommt nur auf Anforderung dazu, meist erst, wenn der Berater Sie dem Mandanten vorstellt, und wird dann für den Mandanten geschrieben.
Wie lang die dritte Seite ist und wie sie in die Bewerbungsmappe, ins PDF oder ins Textfeld kommt
Kurz: Eine Seite, 300 bis 450 Wörter, dieselbe Schrift und derselbe Briefkopf wie in Anschreiben und Lebenslauf. In der Mappe steht sie hinter dem Lebenslauf und vor den Zeugnissen.
Die Reihenfolge der Bewerbungsunterlagen bei einer Bewerbung für eine Führungsposition: Deckblatt, Anschreiben, Lebenslauf, Kompetenzprofil, dann das Motivationsschreiben, danach Arbeitszeugnisse, Empfehlungsschreiben und Zertifikate, sofern sie zur Stelle passen. Alles zusammen als eine PDF-Datei, per E-Mail als Anhang. Eine separate Datei für die dritte Seite ist nur sinnvoll, wenn das Portal ein eigenes Feld dafür anbietet. Verlangt das Portal nur den CV und bietet ein Textfeld für „Motivation“, kommen die Einleitung aus dem Bewerbungsanschreiben und der Beweggrund gekürzt in dieses Feld, ohne Briefkopf und Gruß. Zählen Sie die Zeichen vorher, weil manche Portale überzählige Zeichen abschneiden.
Typische Fehler auf der dritten Seite
Kurz: Der schwerste Fehler ist ein Beweggrund ohne Beleg, dicht gefolgt vom Rechtfertigungston. Fehler, die für Brief und Motivationsschreiben gleichermaßen gelten, wie Adjektive statt Ergebnisse oder der nacherzählte Lebenslauf, stehen in der Fehlertabelle zum Bewerbungsschreiben.
| Fehler | Wirkung beim Leser | Besser |
|---|---|---|
| Beweggrund ohne Beleg („Ich suche eine neue Herausforderung“) | Austauschbar, sagt nichts über die Person | Welche Aufgabe abgeschlossen ist und welche im neuen Haus offen steht |
| Rechtfertigungston nach Freistellung oder Lücke | Der Leser sucht nach dem Problem | Anlass in einem Satz im Brief, die Seite blickt nach vorn |
| Wiederholung des Briefs | Der Leser legt die Mappe weg | Nur ein Ergebnis aufgreifen, unter der Frage nach dem Warum |
| Mehr als eine Seite | Signalisiert fehlende Auswahl | Zwei Beweggründe, ein Beleg, ein Gesprächsanlass |
| Konzept für die ersten hundert Tage | Wirkt als Diagnose ohne Kenntnis des Hauses | Gesprächsanlass im Schluss |
| Zu persönlich (Familie, Gesundheit, Lebenskrise) | Der Leser weiß nicht, was er damit tun soll | Persönliches nur, wenn es die Rolle erklärt, etwa die Rückkehr in die Region |
Die Probe für den fertigen Text: Weiß der Leser nach dieser Seite etwas über Sie, das er nach dem Brief noch nicht wusste? Wenn nein, fehlt der Beweggrund. Dann hängt die erfolgreiche Bewerbung allein am Lebenslauf.
Maßgeschneiderte Bewerbungen
Experten-Tipp
Die dritte Seite wirkt am stärksten, wenn sie zu einem Ergebnis aus dem Lebenslauf sagt, was Sie daran erkannt haben. Diese Antwort findet der Leser in keinem anderen Dokument der Mappe.
Christina Becker
Executive Recruiting & LinkedIn-Branding Expertin
Vertrauliches Erstgespräch vereinbaren
Der nächste Schritt: Bewerbungsunterlagen für Führungskräfte bis zum Vorstellungsgespräch
Ob Sie in drei Jahren noch da sind, liest der Entscheider aus dem Beweggrund auf der dritten Seite. Glauben wird er ihn, wenn Anschreiben, Lebenslauf und Ihr Profil in den beruflichen Netzwerken dieselben Ergebnisse in derselben Größenordnung nennen, vom ersten Kontakt im Bewerbungsprozess bis zum Gespräch. Wir erstellen Bewerbungsunterlagen für Führungskräfte, bei denen Anschreiben, Lebenslauf und Motivationsschreiben für Führungskräfte aus einem Guss entstehen, mit konkreten Beispielen aus Ihrem Werdegang, die zur Position passen, und setzen das Motivationsschreiben gezielt ein, wo es verlangt wird oder den Wechsel erklärt. Den Rahmen finden Sie unter Bewerbung für Führungskräfte, den Ablauf unter Bewerbung schreiben lassen. Wie ein Bewerbungsservice für Führungskräfte arbeitet und was er zusagen kann, zeigt der Beitrag dazu. Die Zusammenarbeit beginnt mit einem vertraulichen Gespräch über Ihre Ausgangslage und die Position, um die es geht.
Lieber direkt sprechen?
Im vertraulichen Erstgespräch klären wir Ihre Ausgangslage und den Weg zu Ihrer Zielposition.
Erstgespräch vereinbarenHäufige Fragen zum Motivationsschreiben als Führungskraft
Was ist der Unterschied zwischen Motivationsschreiben und Anschreiben?
Der Brief gehört zu jeder Bewerbung, die Unterlagen verlangt, und nennt Aufgabe, Ergebnisse und Anlass des Wechsels. Die dritte Seite kommt auf Anforderung dazu und erklärt Beweggrund, Führungsverständnis, Werte und Karriereziel. Nichts steht doppelt, außer einem Ergebnis unter der Frage nach dem Warum.
Soll ich die dritte Seite beilegen, wenn sie nicht verlangt ist?
Nur bei einem Branchen- oder Funktionswechsel oder bei einer längeren Lücke, die die letzte Station ist. Sonst wirkt sie wie die Erklärung einer Schwäche, die der Leser nicht gesehen hat.
Wie lang darf das Motivationsschreiben als Führungskraft sein?
Eine Seite, 300 bis 450 Wörter, vier bis fünf Absätze, mit Überschrift, Ort, Datum und Unterschrift. Mehr signalisiert fehlende Auswahl, auch bei dreißig Jahren Berufserfahrung.
Was schreibe ich bei einer internen Bewerbung auf eine Führungsposition?
Den Blick auf den Bereich aus der neuen Rolle: welche Aufgabe dort ansteht und was Sie aus Ihrer jetzigen Position dafür mitbringen. Ihre bisherigen Erfolge im Haus kennt der Leser. Der Wechsel vom Kollegen zum Vorgesetzten und die Nachfolge auf Ihrer Stelle gehören in den Brief, mit derselben Sorgfalt wie bei einer externen Bewerbung.
Wie beantworte ich die Frage, warum ich Führungskraft werden will?
Mit der Situation, in der Sie gemerkt haben, dass Sie Wirkung über andere suchen, etwa der Betreuung jüngerer Kollegen oder einem Projekt, in dem Sie ohne Titel Prioritäten gesetzt haben, und mit einem ehrlichen Satz zu dem, was Sie als Führungskraft noch lernen müssen. „Der nächste logische Schritt“ ist keine Antwort.
Wie offen darf ich über Motive schreiben, die mit meinem jetzigen Arbeitgeber zu tun haben?
So offen, dass der Leser den Beweggrund versteht, und so zurückhaltend, dass Ihr jetziger Arbeitgeber den Text lesen könnte. Nennen Sie, was Ihnen das neue Haus ermöglicht, und lassen Sie das alte aus dem Spiel.
Wie persönlich darf die dritte Seite werden?
So persönlich, wie es die Rolle erklärt. Die Rückkehr in die Region, die Nachfolge in einem Familienunternehmen oder eine Lebensphase, die einen Standortwechsel möglich macht, gehören hinein, wenn sie Ihren Beweggrund tragen. Gesundheit, Familienkonflikte und Enttäuschungen im alten Haus nicht.
Gehört die Gehaltsvorstellung ins Motivationsschreiben?
Nein. Sie gehört ins Anschreiben, wenn die Anzeige sie verlangt, beim Personalberater in die Kurznachricht. Eintrittstermin und Kündigungsfrist stehen in jedem Anschreiben.







