Bewerbung in der Schweiz und der Unterschied zu Deutschland
Kurz zusammengefasst
Der Beitrag zeigt Ihnen als Führungskraft aus Deutschland, woran ein Schweizer Leser ein unverändert übernommenes deutsches Dossier erkennt, was Schweizer Unternehmen im ersten Gespräch wissen wollen (Bewilligung, Umzug oder Pendeln, Lohnvorstellung, Eintrittstermin) und wie Sie diese Fragen aus ungekündigter Stellung heraus beantworten, ohne Ihrem heutigen Haus einen Wechsel zu signalisieren.
Inhaltsverzeichnis
- Die wichtigsten Unterschiede zwischen einer Bewerbung in der Schweiz und einer Bewerbung in Deutschland
- Bewerbungsdossier und Beilagen als Bewerbungsunterlagen in der Schweiz
- Bewerbungsschreiben in der Schweiz und das Motivationsschreiben
- Lebenslauf für die Schweiz: strukturiert, lückenlos, mit Kurzprofil
- Begriffe der Schweizer Bewerbung im Vergleich mit Deutschland
- Arbeitszeugnisse und Referenzen ohne Wechselsignal an den heutigen Arbeitgeber
- Was Schweizer Unternehmen im ersten Vorstellungsgespräch wissen wollen
- Lohnvorstellung auf Geschäftsleitungsebene
- Arbeitsrecht und Kündigungsfristen für Führungskräfte
- Aufenthaltsbewilligung, Steuern und Vorsorge im Überblick
- Bescheidenheit und Verbindlichkeit im Bewerbungsprozess
- Branchen und Executive Search auf dem Schweizer Arbeitsmarkt
- Checkliste Bewerbung Schweiz: das deutsche Dossier umbauen
- Der nächste Schritt: Bewerbungsunterlagen für die Schweiz
Die wichtigsten Unterschiede zwischen einer Bewerbung in der Schweiz und einer Bewerbung in Deutschland
Die kurze Antwort: Ein Schweizer Leser erkennt ein unverändert aus Deutschland übernommenes Dossier am ersten „ß“ in der Grußformel, an einem zweiten Motivationsschreiben und an fehlenden Zeugnissen. Referenzen werden angerufen. Im ersten Gespräch kommen zwei Fragen, die in Deutschland nicht vorkommen, nach der Bewilligung und nach Umzug oder Pendeln, und zwei, die eine andere Antwort brauchen: die Lohnvorstellung in Franken und der Eintrittstermin bei deutscher Kündigungsfrist.
Wenn Sie sich als Geschäftsführer, Bereichsleiter oder Mitglied der Geschäftsleitung aus Deutschland heraus in der Schweiz bewerben, tun Sie das meist aus ungekündigter Stellung und häufig über eine Personalberatung. Ihre Fragen: Wie nennen Sie Referenzen, ohne dass Ihr heutiges Haus davon erfährt? Was sagen Sie zum Eintrittstermin bei sechs Monaten Kündigungsfrist zum Quartalsende? Wie übersetzen Sie „Vorstand“ für einen Verwaltungsrat in Zürich?
Arbeitsrecht, Steuern und Vorsorge kommen nur so weit vor, wie sie beim Bewerben in der Schweiz gefragt werden. Diese Hinweise ersetzen keine Beratung.
Bewerbungsdossier und Beilagen als Bewerbungsunterlagen in der Schweiz
Kurz: In der Schweiz heißt die Bewerbungsmappe Bewerbungsdossier, die Anlagen heißen Beilagen, und das Dossier ist vollständig, wenn alle Arbeitszeugnisse darin liegen.
Läuft die Bewerbung über eine Personalberatung, erwartet der Berater meist zuerst nur den Lebenslauf und fordert das Dossier an, sobald er Sie dem Klienten vorstellt. Das vollständige Dossier für eine Führungsposition besteht aus dem Anschreiben, dem Lebenslauf mit Kurzprofil, sämtlichen Zeugnissen ab dem Berufseinstieg nach dem Studium, den Diplomen und Nachweisen relevanter Weiterbildungen, ohne Deckblatt. Empfehlungsschreiben gehören dazu, wenn sie eine konkrete Führungsleistung belegen. Schul- und Ausbildungszeugnisse legen Sie erst auf Nachfrage bei, das Notensystem in der Schweiz mit der 6 als Bestnote spielt auf Führungsebene keine Rolle. Ein Kompetenzprofil als eigenes Dokument neben dem Lebenslauf verlangen manche Unternehmen in der Schweiz ausdrücklich. Die Form der Bewerbung ist die E-Mail oder das Bewerbungsportal, in der Regel mit einem einzigen PDF in der Reihenfolge Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Diplome. Die Datei bleibt so klein, dass jedes Firmenpostfach sie annimmt, und das Layout bleibt über alle Dokumente einheitlich.
Bewerbungsschreiben in der Schweiz und das Motivationsschreiben
Kurz: Das Bewerbungsschreiben ist in der Schweiz dasselbe Dokument wie das Anschreiben in Deutschland. In der Schweiz heißt es auch Begleitschreiben oder Motivationsschreiben. Ein zweites Schreiben gibt es nicht.
Ratgeber aus Deutschland empfehlen für die Schweiz manchmal ein zweites Dokument, das Motivationsschreiben zusätzlich zum Anschreiben. Das ist ein Missverständnis, die großen Schweizer Stellenportale verwenden beide Wörter für dasselbe Schreiben. Ein zweites Motivationsschreiben im Dossier ist eines der Zeichen, an denen ein Schweizer Leser die unveränderte deutsche Vorlage erkennt. Was Sie in Deutschland in ein Motivationsschreiben als Führungskraft schreiben würden, gehört in der Schweiz in das eine Schreiben: der Grund für den Wechsel, das Führungsverständnis und der Beitrag in den ersten Monaten.
Datum und Ort, Anrede und Grußformel
Das Schreiben umfasst eine Seite. Ort und Datum stehen links: „Zürich, 12. Oktober 2026“. Es folgt eine Betreffzeile mit der Funktion. Die Anrede richtet sich an eine namentlich genannte Person, „Sehr geehrte Frau Meier“, und endet ohne Satzzeichen, der Text beginnt in der nächsten Zeile mit einem Großbuchstaben. Der erste Absatz nennt die Funktion und die zwei Gründe, aus denen Sie dafür in Frage kommen, mit einer belegten Führungsleistung aus Ihrer Berufserfahrung statt Eigenschaften. Der Schlusssatz bleibt sachlich: „Ich freue mich auf ein Gespräch.“ Konjunktivketten wie „ich könnte mir vorstellen, einen Beitrag zu leisten“ wirken auf Führungsebene unentschlossen. Die Grußformel lautet „Freundliche Grüsse“, „Mit freundlichen Grüssen“ ist möglich und wirkt etwas förmlicher. Was auffällt, ist das „ß“ in „Grüßen“, weil die Schweizer Schreibung es nicht kennt. Unter dem Namen folgt die Zeile „Beilagen“ mit der Aufzählung der Dokumente. Die Gliederung eines Anschreibens für eine Führungsposition ist in beiden Ländern dieselbe, neu geschrieben wird der Inhalt.
Lebenslauf für die Schweiz: strukturiert, lückenlos, mit Kurzprofil
Kurz: Der Lebenslauf, in der Schweiz meist CV genannt, ist tabellarisch und in umgekehrt chronologischer Reihenfolge aufgebaut, beginnt mit einem Kurzprofil und nennt bei einem Bewerber aus Deutschland die Nationalität und den Bewilligungsstatus.
Zwei bis drei Seiten sind für eine Führungskraft angemessen. Schweizer Ratgeber empfehlen für Fachkräfte höchstens zwei Seiten, auf Führungsebene braucht eine Station mit Ergebnisverantwortung, Budget und Umbau mehr Raum als eine Zeile. Das Kurzprofil am Anfang des Lebenslaufs fasst in drei bis fünf Sätzen zusammen, wofür Sie stehen: Ergebnisverantwortung in Franken oder Euro, Transformationen, internationale Führung, Verantwortung für Personal und Budget. Jede Station nennt den Kontext, die Führungsspanne und ein bis zwei messbare Ergebnisse.
In den persönlichen Daten stehen Name, Adresse, Geburtsdatum und die Nationalität, bei Ihnen also „deutsch“. Haben Sie bereits eine Bewilligung, etwa aus einer früheren Tätigkeit in der Schweiz, steht sie daneben. Der Familienstand heißt Zivilstand und ist ebenso wie die Konfession eine freiwillige Angabe. Ein professionelles Bewerbungsfoto ist üblich, Schweizer Stellenportale wie JobCloud beschreiben es weiterhin als Standard.
Lebenslauf in der Schweiz unterschreiben?
Nein. Der Schweizer CV endet ohne Ort, Datum und Unterschrift. In Deutschland ist die Unterschrift keine Vorschrift und bei Online-Bewerbungen ebenfalls unüblich geworden, bei einer Papierbewerbung setzen manche sie noch unten links. Auch das Anschreiben verschicken Sie online ohne Unterschrift, eine eingescannte Unterschrift ist möglich.
Sprachkenntnisse, Weiterbildung und Doktortitel
Sprachen geben Sie nach den Stufen A1 bis C2 an, mündlich und schriftlich getrennt, wenn sie auseinanderliegen. Schweizerdeutsch ist kein Muss. Für Konzerne mit Sitz in der Romandie zählt Französisch auf Verhandlungsniveau, in vielen internationalen Unternehmen ist Englisch die Arbeitssprache, und ein englisches Dossier wird dort häufig gleich mitverlangt. Weiterbildungen führen Sie mit Institution, Abschluss und Jahr auf. Reglementierte Berufe in Führungsfunktion, etwa Ärztin oder Anwalt, brauchen eine Diplomanerkennung mit Vorlauf von Monaten. Den Doktortitel nennen Sie im Kopf des CV und in der Signatur, im Gespräch fordern Sie die Anrede mit Titel nicht ein.
Begriffe der Schweizer Bewerbung im Vergleich mit Deutschland
Kurz: Die schweizerische Rechtschreibung kennt kein „ß“, und einige Begriffe lauten anders. Die Tabelle übersetzt die Wörter, die in Ihrem Dossier vorkommen, samt Funktionen und Hierarchiestufen.
| Bewerbung in Deutschland | Bewerbung in der Schweiz |
|---|---|
| Anschreiben | Bewerbungsschreiben, Begleitschreiben, Motivationsschreiben (ein Dokument) |
| Bewerbungsmappe, Anlagen | Bewerbungsdossier, Beilagen |
| Initiativbewerbung | Spontanbewerbung |
| Gehaltsvorstellung, Bruttojahresgehalt | Lohnvorstellung oder Salärvorstellung, Bruttojahreslohn in Franken |
| Familienstand, Staatsangehörigkeit, Führerschein Klasse B | Zivilstand, Nationalität, Führerausweis Kategorie B |
| Mit freundlichen Grüßen | Freundliche Grüsse |
| Vorstand, Vorstandsvorsitzender (AG) | Geschäftsleitung, CEO oder Vorsitzender der Geschäftsleitung, das Aufsichtsgremium heißt Verwaltungsrat |
| Geschäftsführer (GmbH) | Geschäftsführer (auch in der Schweizer GmbH), in der AG Mitglied der Geschäftsleitung |
| Bereichsleiter, Prokurist | Bereichsleiter oder Direktor (Prokura gibt es auch in der Schweiz, meist als „Kollektivprokura zu zweien“ im Handelsregister) |
| Aufsichtsrat | Verwaltungsrat |
Schreiben Sie Ihre Funktion so in den CV, wie der Schweizer Leser sie einordnet, und setzen Sie den deutschen Titel in Klammern dahinter: „Mitglied der Geschäftsleitung (Vorstand Finanzen)“. Ein deutscher Vorstand ist in der Schweizer AG kein Vorstand, weil das Aktienrecht dort die Geschäftsleitung unter dem Verwaltungsrat kennt. Frankenbeträge schreibt man mit Punkt und Apostroph („CHF 250’000.00“), im Fließtext bleibt das Komma als Dezimalzeichen üblich. Die Sprache der Stellenausschreibung bestimmt die Sprache des Dossiers, also Deutsch, Französisch oder Italienisch. Für eine andere Sprachregion lassen Sie das Dossier übersetzen.
Arbeitszeugnisse und Referenzen ohne Wechselsignal an den heutigen Arbeitgeber
Kurz: Schweizer Arbeitgeber legen Wert auf vollständige Zeugnisse und rufen Referenzen an. Beides lässt sich aus ungekündigter Stellung heraus regeln, wenn Sie die Reihenfolge steuern.
Legen Sie alle Zeugnisse ab dem Berufseinstieg bei. Fehlt eines, erklären Sie das im Schreiben in einem Satz, etwa weil ein früheres Unternehmen nicht mehr existiert. Die Zeugnissprache mit ihren Abstufungen, wie sie der Beitrag zum Arbeitszeugnis entschlüsselt, ist in der Schweiz ebenso geläufig wie in Deutschland, ein deutsches Konzernzeugnis braucht keine Erklärung.
Referenzen werden in der Schweiz häufig schon im CV erwartet, mit Name, Funktion, Telefon und E-Mail. Für eine Führungskraft in ungekündigter Stellung ist das die heikelste Stelle des Dossiers, denn ein Anruf im heutigen Haus ist ausgeschlossen. Die Lösung ist der Satz „Referenzen auf Anfrage“ am Ende des CV. Nach unserer Erfahrung akzeptieren Personalverantwortliche und Berater in der Schweiz die Freigabe nach dem zweiten Gespräch, weil sie die Lage ungekündigter Kandidaten kennen und Referenzen ohnehin erst vor dem Angebot einholen. Geeignet sind, wie der Beitrag zu Referenzen als Führungskraft ausführt, ein früherer Vorgesetzter, ein Verwaltungsrats- oder Aufsichtsratsmitglied eines früheren Unternehmens und ein externer Geschäftspartner, nie jemand aus dem heutigen Haus. Fragen Sie jede Person vorher.
Maßgeschneiderte Bewerbungen
Experten-Tipp
Aus der Praxis: „Referenzen auf Anfrage“ allein im Lebenslauf liest ein Personalberater als Ausweichen. Nennen Sie im Anschreiben die Ebene Ihrer Referenzgeber und den Zeitpunkt, ab dem Sie sie freigeben. Dann liest er Diskretion.
Christina Becker
Executive Recruiting & LinkedIn-Branding Expertin
Vertrauliches Erstgespräch vereinbaren
Was Schweizer Unternehmen im ersten Vorstellungsgespräch wissen wollen
Kurz: Vier Fragen kommen bei Kandidaten aus Deutschland fast immer, oft schon im Telefoninterview: Haben Sie eine Bewilligung? Ziehen Sie um oder pendeln Sie? Wie hoch ist Ihre Lohnvorstellung? Wann können Sie anfangen? Die übrige Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch als Führungskraft bleibt dieselbe wie in Deutschland.
Bewilligung. Als deutscher Staatsbürger brauchen Sie keine Arbeitsbewilligung im engeren Sinn, sondern eine Aufenthaltsbewilligung mit Erwerbstätigkeit, die Sie nach der Zusage selbst bei der Wohngemeinde beantragen. Die Antwort lautet also: „Ich bin EU-Bürger, die Anmeldung erfolgt mit dem Arbeitsvertrag.“
Umzug oder Pendeln. Die Frage kommt, weil davon Bewilligung, Steuer und Ihre Präsenz abhängen. Wer umzieht, erhält die Aufenthaltsbewilligung B. Wer in Deutschland wohnen bleibt und täglich oder wöchentlich zurückkehrt, ist Grenzgänger mit Ausweis G. Sagbar ist ein Satz wie: „Ich ziehe zum Eintritt um, meine Familie folgt zum Schuljahresende.“
Lohnvorstellung. Nennen Sie im Gespräch eine Zahl in Franken, brutto, pro Jahr, und sagen Sie dazu, ob ein 13. Monatslohn und ein Bonus darin enthalten sind. In das Schreiben gehört die Lohnvorstellung nur, wenn die Stellenanzeige sie verlangt.
Eintrittstermin. Drei bis sechs Monate Kündigungsfrist kennt der potenzielle Arbeitgeber in der Schweiz von seinen eigenen Geschäftsleitungsmitgliedern. Der Unterschied liegt im Stichtag: Deutsche Geschäftsführer- und Vorstandsverträge binden die Frist nach unserer Erfahrung häufig an das Quartals- oder Halbjahresende, was den Wechsel auf bis zu ein knappes Jahr streckt, dazu kommt manchmal ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot mit Karenzentschädigung. Sagen Sie im Erstgespräch die vertragliche Frist mit Stichtag und dass Sie einen Aufhebungsvertrag mit Freistellung anstreben, sobald ein Angebot vorliegt. Ob das Wettbewerbsverbot die Schweizer Position berührt, prüfen Sie mit Ihrem Anwalt vor dem Gespräch. Ein zugesagter Termin, der später nicht hält, schadet mehr als eine längere Frist.
Du oder Sie im Gespräch?
Sie siezen, bis Ihnen das Du angeboten wird, und zwar von der ranghöheren Person. Duzt Sie ein Verwaltungsratspräsident von sich aus, nehmen Sie es an und bleiben im Ton sachlich.
Lohnvorstellung auf Geschäftsleitungsebene
Kurz: Die Lohnvorstellung nennt einen Bruttojahreslohn in Franken und sagt, was er enthält: Fixum, 13. Monatslohn, Bonus als Zielwert, Beteiligungen und die Pensionskassenlösung.
Der 13. Monatslohn ist in der Schweiz verbreitet, aber nicht gesetzlich vorgeschrieben. Er ist geschuldet, wenn er im Arbeitsvertrag, einem Reglement oder einem Gesamtarbeitsvertrag vereinbart ist, und auf Führungsebene ersetzt ihn oft ein höherer Bonusanteil. Beim Bonus fragen Sie nach Zielwert und Bandbreite, bei börsennotierten Unternehmen nach Aktien oder Optionen, bei der Pensionskasse nach dem Arbeitgeberanteil und einer möglichen Kadervorsorge, dazu nach Umzugs- und Wohnkosten für die erste Zeit.
Rechnen Sie Ihr deutsches Paket um, bevor Sie eine Zahl nennen: Dienstwagen, betriebliche Altersvorsorge, Bonus und Beteiligungen ergeben zusammen mit dem Fixum den Wert, den Sie heute haben und in der Gehaltsverhandlung als Führungskraft verteidigen. Als Anhaltspunkt für das Lohnniveau im neuen Job dient der statistische Lohnrechner Salarium des Bundesamts für Statistik. Geschäftsleitungslöhne mit hohem variablem Anteil bildet er nur grob ab, für eine Bandbreite reicht er. Rechnen Sie die höheren Lebenshaltungskosten in Zürich, Genf und Basel und die Steuerbelastung an Ihrem Wohnort gegen, um zu sehen, ab welcher Zahl der Job in der Schweiz sich lohnt.
Arbeitsrecht und Kündigungsfristen für Führungskräfte
Kurz: Die gesetzlichen Kündigungsfristen sind kurz, die Probezeit ist kurz, und ein Konkurrenzverbot ist nur unter engen Voraussetzungen wirksam. Sechs Monate Frist im heutigen Vertrag stehen sieben Tagen in der Schweizer Probezeit gegenüber.
Die gesetzliche Probezeit beträgt einen Monat und lässt sich vertraglich auf höchstens drei Monate verlängern. In dieser Zeit gilt eine Kündigungsfrist von sieben Tagen. Danach beträgt die gesetzliche Frist im ersten Dienstjahr einen Monat, vom zweiten bis zum neunten Dienstjahr zwei Monate und ab dem zehnten Dienstjahr drei Monate, jeweils zum Monatsende, wie das SECO in seinen Antworten zur Kündigung zusammenfasst. Auf Führungsebene vereinbaren die Parteien nach unserer Erfahrung meist drei bis sechs Monate. Einen Kündigungsschutz wie nach dem deutschen Kündigungsschutzgesetz gibt es nicht, wohl aber einen Schutz vor missbräuchlicher Kündigung mit einer Entschädigung von bis zu sechs Monatslöhnen (Art. 336a OR) und Sperrfristen bei Krankheit, Unfall und Schwangerschaft (Art. 336c OR). Eine Abfindung schreibt das Gesetz in der Regel nicht vor. Die Abgangsentschädigung ab 50 Jahren und 20 Dienstjahren (Art. 339b OR) wird meist durch die Pensionskasse abgegolten, alles Weitere ist Verhandlungssache in der Aufhebungsvereinbarung.
Ein Konkurrenzverbot muss schriftlich vereinbart sein und ist nur verbindlich, wenn Sie Einblick in den Kundenkreis oder in Geschäftsgeheimnisse hatten und deren Verwendung das Unternehmen erheblich schädigen könnte (Art. 340 OR). Es ist nach Ort, Zeit und Gegenstand zu begrenzen und darf drei Jahre nur unter besonderen Umständen überschreiten (Art. 340a OR). Eine gesetzliche Karenzentschädigung wie nach deutschem Recht kennt die Schweiz nicht. Lesen Sie den Entwurf des Arbeitsvertrags deshalb mit einem Anwalt für Schweizer Arbeitsrecht, bevor Sie in Deutschland kündigen.
Aufenthaltsbewilligung, Steuern und Vorsorge im Überblick
Kurz: Als deutscher Staatsbürger bekommen Sie die Bewilligung mit dem Arbeitsvertrag und wählen mit dem Wohnort Kanton und Steuerbelastung. Der Abschnitt ersetzt keine Beratung.
Für Angehörige der EU und der EFTA gilt die Personenfreizügigkeit. Die Übersicht des Staatssekretariats für Migration (SEM) unterscheidet vier Ausweise: L für Arbeitsverträge zwischen drei Monaten und einem Jahr, B für Verträge ab einem Jahr oder ohne Befristung mit fünf Jahren Gültigkeit, C als Niederlassungsbewilligung, die Deutsche nach fünf Jahren ununterbrochenem Aufenthalt erhalten, und G für Grenzgänger, die mindestens einmal wöchentlich an den Wohnort im Ausland zurückkehren. Den Ausweis B beantragen Sie nicht über das Unternehmen, sondern melden sich innerhalb von 14 Tagen nach der Ankunft und vor dem Stellenantritt mit Ausweis und Arbeitsvertrag bei der Wohngemeinde an.
Die Steuern erheben Bund, Kanton und Gemeinde, und die Belastung unterscheidet sich zwischen den Kantonen deutlich. Für Grenzgänger mit Wohnsitz in Deutschland gilt das Doppelbesteuerungsabkommen, und für Mitglieder der Geschäftsleitung und andere im Handelsregister eingetragene Zeichnungsberechtigte enthält es eine Sonderregel: Ihr Lohn wird in der Regel in der Schweiz besteuert, über die Quellensteuer. Das klären Sie vor der Unterschrift in einem Gespräch mit einem Steuerberater. Die Vorsorge ruht auf drei Säulen: der staatlichen AHV, der beruflichen Vorsorge über die Pensionskasse und der privaten Säule 3a. Was das für Ihre deutschen Rentenansprüche bedeutet, gehört in dasselbe Gespräch.
Bescheidenheit und Verbindlichkeit im Bewerbungsprozess
Kurz: Bescheidenheit heißt in der Schweiz Belege statt Superlative, und eingehaltene Zusagen wirken mehr als jede Formulierung.
Ein zugesagter Rückruf am Dienstag findet am Dienstag statt, angeforderte Unterlagen kommen am genannten Tag. Personalberater lesen daran ab, wie Sie später mit Verwaltungsrat und Kunden umgehen. Für eine erfolgreiche Bewerbung heißt das im Dossier und im Gespräch: Erfolge benennen, mit Zahlen belegen und die Rolle des Teams dabei nicht unterschlagen.
Branchen und Executive Search auf dem Schweizer Arbeitsmarkt
Kurz: Geschäftsleitungspositionen werden in der Schweiz überwiegend über Personalberater und Netzwerke besetzt, die Anforderungen hängen an Branche und Region.
| Wirtschaftszweig | Standortschwerpunkt | Besonderheiten für Führungskräfte |
|---|---|---|
| Finanzdienstleistungen und Banking | Zürich, Genf, Lugano | FINMA-Regulierung, Compliance-Erfahrung, oft Englisch als Arbeitssprache |
| Pharma und Life Sciences | Basel, Zug | Internationale Teams, wissenschaftliche Führungserfahrung, Forschung und Entwicklung |
| Maschinen- und Uhrenindustrie | Biel, Neuenburg, Ostschweiz | Technisches Verständnis in der Geschäftsleitung |
| Technologie und IT | Zürich, Lausanne | Hochschulnähe (ETH, EPFL), digitale Transformation, oft englischsprachige Unternehmenskultur |
| Rohstoffhandel | Genf, Zug | Internationale Erfahrung zwingend, Verhandlungssicherheit in mehreren Sprachen |
Die internationalen Executive-Search-Häuser wie Egon Zehnder, Spencer Stuart und Heidrick & Struggles haben Büros in Zürich oder Genf, daneben arbeiten viele Schweizer Personalberatungen mit Schwerpunkt auf einzelnen Wirtschaftszweigen. Sprechen Sie die Häuser Ihres Feldes gezielt an, so wie es der Beitrag zur Zusammenarbeit mit einem Headhunter beschreibt, und ordnen Sie die Ansprache in Ihre Bewerbungsstrategie für den Wechsel ein. Welche eigene Titelkultur in Wien gilt, beschreibt der Beitrag zur Bewerbung in Österreich. Ihr Profil auf LinkedIn bleibt bei alldem auf dem Stand Ihrer heutigen Position und widerspricht dem Dossier nicht, die Schweizer Fassung Ihrer Funktion steht nur im Dossier.
Checkliste Bewerbung Schweiz: das deutsche Dossier umbauen
Kurz: Ein vorhandenes deutsches Dossier lässt sich für die Schweiz umbauen, wenn die Substanz stimmt. Neu entsteht das Anschreiben, weil es den Grund für die Schweiz, den Zeitpunkt der Referenzfreigabe und den Eintritt nennt. Alles andere wird angepasst. Die zehn Punkte:
- Alle „ß“ durch „ss“ ersetzen, in jedem Dokument, auch in Dateinamen.
- Grußformel „Freundliche Grüsse“, Anrede ohne Satzzeichen, Ort und Datum links.
- Begriffe umstellen: Dossier, Beilagen, Lohnvorstellung, Zivilstand, Nationalität.
- Funktionen übersetzen und den deutschen Titel in Klammern lassen.
- Nationalität und, falls vorhanden, Bewilligungsstatus in die persönlichen Daten.
- Sprachen nach A1 bis C2, mündlich und schriftlich.
- Alle Zeugnisse beilegen, Lücken erklären.
- „Referenzen auf Anfrage“ mit dem Zeitpunkt der Freigabe.
- Ort, Datum und Unterschrift aus dem CV entfernen.
- Ein PDF in der Reihenfolge Anschreiben, CV, Zeugnisse, Diplome, mit kleiner Dateigröße.
Die Ausnahme von „alles andere wird angepasst“: Ein CV ohne Kurzprofil und ohne Ergebnisse je Station wird neu geschrieben. Der Beitrag zum Lebenslauf für Führungskräfte zeigt, wie Kurzprofil und Stationen aufgebaut sind.
Der nächste Schritt: Bewerbungsunterlagen für die Schweiz
Die heikelste Stelle einer Bewerbung in der Schweiz aus ungekündigter Stellung ist die Referenzfrage: Der Schweizer Leser erwartet Namen, Ihr heutiges Haus darf nichts erfahren, und beides muss im selben Dossier zusammenpassen. Wir übernehmen die Erstellung professioneller Bewerbungsunterlagen für Führungskräfte, die in die Schweiz wechseln: das Anschreiben mit dem Zeitpunkt der Referenzfreigabe und den CV mit Kurzprofil, beides in Schweizer Schreibung und mit Schweizer Begriffen, auf Wunsch mit englischer Fassung. Ablauf und Kosten stehen unter Bewerbung schreiben lassen. Die Zusammenarbeit beginnt mit einem vertraulichen Gespräch über Ihre Position und die Stelle, um die es geht.
Lieber direkt sprechen?
Im vertraulichen Erstgespräch klären wir Ihre Ausgangslage und den Weg zu Ihrer Zielposition.
Erstgespräch vereinbarenHäufige Fragen zur Bewerbung in der Schweiz
Muss ich den Lebenslauf in der Schweiz unterschreiben?
Nein. Der Schweizer CV endet ohne Ort, Datum und Unterschrift. In Deutschland ist die Unterschrift ebenfalls keine Vorschrift und bei Online-Bewerbungen unüblich geworden. Auch das Anschreiben verschicken Sie online ohne Unterschrift.
Brauche ich in der Schweiz ein Anschreiben und ein Motivationsschreiben?
Nein, beides ist dasselbe Dokument. In der Schweiz ist „Motivationsschreiben“ das übliche Wort für das, was in Deutschland Anschreiben heißt. Ihre Motivation für den Wechsel und Ihr Führungsverständnis gehören in dieses eine Schreiben auf einer Seite.
Welche Grußformel und welcher Schlusssatz sind in der Schweiz üblich?
„Freundliche Grüsse“ ist die übliche Grußformel, „Mit freundlichen Grüssen“ ist möglich und förmlicher, das „ß“ kennt die Schweizer Schreibung nicht. Der Schlusssatz bleibt sachlich, etwa „Ich freue mich auf ein Gespräch“, ohne Konjunktivketten.
Brauche ich als Deutscher eine Arbeitsbewilligung für die Schweiz?
Als EU-Bürger brauchen Sie keine eigene Arbeitsbewilligung, sondern eine Aufenthaltsbewilligung mit Erwerbstätigkeit, bei einem Vertrag ab einem Jahr den Ausweis B mit fünf Jahren Gültigkeit. Sie melden sich innerhalb von 14 Tagen nach der Ankunft und vor dem Stellenantritt mit Arbeitsvertrag bei der Wohngemeinde an. Grenzgänger mit Wohnsitz in Deutschland erhalten den Ausweis G.
Wie nenne ich Referenzen, wenn mein heutiger Arbeitgeber nichts erfahren darf?
Mit dem Satz „Referenzen auf Anfrage“ am Ende des CV und der Zusage, Auskunftspersonen nach dem zweiten Gespräch zu nennen. Geeignet sind frühere Vorgesetzte, Gremienmitglieder früherer Unternehmen und externe Geschäftspartner, nie jemand aus dem heutigen Haus.
Was sage ich zum Eintrittstermin bei sechs Monaten Kündigungsfrist?
Die vertragliche Frist und Ihre Absicht, nach einem Angebot einen Aufhebungsvertrag mit Freistellung zu verhandeln. Ein bestehendes Wettbewerbsverbot lassen Sie vorher prüfen und sprechen es offen an. Ein zugesagter Termin, der später nicht hält, schadet mehr als eine längere Frist.







