Geheimcode der Zeugniserstellung

Arbeitszeugnis Geheimcode – Zeugnissprache & Formulierungen übersetzt

Wenn es in einem Arbeitszeugnis um Bewertungen und Formulierungen geht, entsteht oft der Eindruck, dass hier eine Art Geheimcode verwendet wurde. Vielleicht fragen Sie sich ebenfalls, ob Ihr Zeugnis wirklich so gut ist, wie es sich auf den ersten Blick liest.

Wir helfen Ihnen herauszufinden, ob in Ihrem Arbeitszeugnis eine abwertende Zeugnistechnik verwendet wurde.

Inhalt

Übersicht der Zeugnistechniken

Auch wenn sich manche Formulierungen in Ihrem Zeugnis mehrdeutig oder unverständlich lesen, spiegeln diese in 90 Prozent der Fälle, klare Notenstufen wieder.

In 5 – 10 Prozent der Fälle, kann die Formulierung nicht als Einzelnote entschlüsselt werden und ist somit als spezielle Zeugnistechnik oder auch „Geheimcode“ zu bezeichnen.

Folgende Sieben Zeugnistechniken werden von Zeugnisprofis genutzt, um indirekt abzuwerten:

Formfehler

Wenn Ihr Zeugnis z.B. nicht auf dem offiziellen Firmenbriefpapier ausgestellt worden ist, ein nicht zuständiger Zeugnisaussteller unterschreibt oder es von Rechtschreibfehlern nur so wimmelt, handelt es sich hierbei um eine indirekte Abwertung.

Dabei wird eine mangelnde Wertschätzung des beurteilten Mitarbeiters zum Ausdruck gebracht.

Negativformulierungen

Die Negativformulierungen sind ein häufiges Mittel, um Mitarbeiter abzuwerten. Wenn es z.B. heißt: Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten war nicht zu beanstanden, ist damit grundsätzlich das Gegenteil gemeint.

Um Negativformulierungen besser zu verstehen und Ihr Zeugnis auf diese prüfen zu können, haben wir eine Liste der Negativformulierungen mit Übersetzung erstellt. Nutzen Sie diese, um Ihr Arbeitszeugnis zu überprüfen.

Nebensächlichkeiten

Ein Arbeitszeugnis muss typische Tätigkeiten enthalten, welche mit Ihrem Tätigkeitsprofil übereinstimmen.

Heißt es also, dass ein Storemanager für die Buchung von Zahlungseingängen oder Urlaubsplanung zuständig war, wird durch die Schilderung der Nebensächlichkeit indirekte Kritik zum Ausdruck gebracht.

Widersprüche

Ein gutes Zeugnis muss durchgängig gute Bewertungen enthalten. Wenn der Zeugnisaussteller also eine positive Bewertung einige Zeilen später mit einer weniger positiven Bewertung konterkariert – ist das ein Widerspruch.

Die Bewertung muss einheitlich sein.

Relativierungen

Um Kritik am Mitarbeiter zum Ausdruck zu bringen, gibt es gewisse Schlüsselwörter. So besteht ein großer Unterschied zwischen: „Sie lieferte im Großen und Ganzen eine zufriedenstellende Arbeitsqualität“ oder: „Sie lieferte jederzeit eine gute und überdurchschnittliche Arbeitsqualität“.
Der erste Satz wäre in diesem Fall zu bemängeln.

Achten Sie in Ihrem Arbeitszeugnis auf relativierende Wörter wie „im Großen und Ganzen“, „was bemüht“ oder „zeigte Interesse“.

Zu knappe Sätze

Zu knappe Sätze bzw. Beschreibungen werden ebenfalls als mangelnde Wertschätzung der Arbeitsleistung interpretiert.

Eine schlecht bewertete Formulierung wäre: „Frau Schneider verfügt über Berufserfahrung“.
Eine gut bewertete Formulierung wäre: „Frau Schneider verfügt über eine vielseitige und große Berufserfahrung“.

Legen Sie also auch Wert auf Ausführlichkeit der einzelnen Formulierungen.

Missverständliche Formulierungen

Nicht alle Personaler wollen Ihnen ein Bein stellen. Viele Zeugnisse sind schlecht formuliert oder haben Rechtschreibfehler, weil die Verfasser es einfach nicht besser wissen.

Bei der Formulierung: „Im Umgang mit Kunden zeigte er psychologisches Geschick“ ist gemeint, dass jemand geschickt im Umgang mit schwierigen Kunden bewiesen hat.

Nicht jeder Zeugnisexperte würde das so werten, insbesondere wenn auch andere Sätze im Zeugnis komisch klingen würden vermuten, dass der Mitarbeiter Kunden schlecht beraten bzw. angelogen hat, sodass die Firma dabei das Nachsehen hatte.

Achten Sie also auf eindeutige Formulierungen in Ihrem Arbeitszeugnis.

Liste der Negativformulierungen mit Übersetzung

  1. Sie machte sich mit großem Eifer an die ihr übertragenen Aufgaben.
    ⇒ Sie war erfolglos.
  2. Er zeigte Verständnis für seine Arbeit.
    ⇒ Keine/ schlechte Leistung.
  3. Sie erledigte alle Aufgaben pflichtbewusst und ordnungsgemäß.
    ⇒ Keine Eigeninitiative.
  4. Sie verstand es, alle Aufgaben mit Erfolg zu delegieren.
    ⇒ Sie war arbeitsscheu.
  5. Er war seinen Mitarbeitern jederzeit ein verständnisvoller Vorgesetzter.
    ⇒ Keine Durchsetzungsstärke und Respekt.
  6. Sie koordinierte die Arbeit ihrer Mitarbeiter und gab klare Anweisungen.
    ⇒ Sie beschränkte sich nur auf das Anweisen und Delegieren.
  7. Sie hat alle Aufgaben in ihrem und im Firmeninteresse gelöst.
    ⇒ Entwendung von Firmeneigentum.
  8. Im Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten zeigte er durchweg eine erfrischende Offenheit.
    ⇒ Er war frech.
  9. Für die Belange der Belegschaft bewies sie immer Einfühlungsvermögen.
    ⇒ Sie suchte sexuelle Kontakte.
  10. Für die Belange der Belegschaft bewies Sie immer umfassendes Einfühlungsvermögen.
    ⇒ Sie suchte homosexuelle Kontakte.
  11. Er war tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.
    ⇒ Ein unangenehmer Mitarbeiter, keine Kooperationsbereitschaft.
  12. Mit seinen Vorgesetzten ist er gut zurechtgekommen.
    ⇒ Ein Mitläufer und Ja-Sager.
  13. Er verfügt über Fachwissen und hat ein gesundes Selbstvertrauen.
    ⇒ Er ist arrogant und ihm mangelt es an Fachwissen.
  14. Er zeigte stets Engagement für Arbeitnehmerinteressen außerhalb der Firma.
    ⇒ Er macht bei Streiks mit.
  15. Er hat mit seiner geselligen Art zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen.
    ⇒ Er hat ein Alkoholproblem.
  16. Er trat engagiert für die Interessen der Kollegen ein.
    ⇒ Er war im Betriebsrat.
  17. Er trat sowohl innerhalb als auch außerhalb unseres Unternehmens engagiert für die Interessen der Arbeitnehmer ein.
    ⇒ Er war in der Gewerkschaft.
  18. Ihre umfangreiche Bildung machte sie zu einer gesuchten Gesprächspartnerin.
    ⇒ Sie führte Privatgespräche am Arbeitsplatz.
  19. Seine Auffassungen wusste er intensiv zu vertreten.
    ⇒ Er hat ein großes Ego.
  20. Er zeichnete sich insbesondere dadurch aus, dass er viele Verbesserungsvorschläge zur Arbeitserleichterung machte.
    ⇒ Erfolglos bei der Umsetzung.
  21. Wir bestätigen gerne, dass er mit Fleiß, Ehrlichkeit und Pünktlichkeit an seine Aufgaben herangegangen ist.
    ⇒ Fehlende fachliche Qualifikation.
  22. Vorgesetzten und Kollegen war er durch seine aufrichtige und anständige Gesinnung ein angenehmer Mitarbeiter.
    ⇒ Mangel an Tüchtigkeit.
  23. Die ihm gemäßen Aufgaben…
    ⇒ Anspruchslose Aufgaben.
  24. Er arbeitete sehr genau und erledigte seine Aufgaben ordnungsgemäß.
    ⇒ Er war nicht effektiv.
  25. Er war mit Interesse bei der Sache.
    ⇒ Er war erfolglos.
  26. Er zeigte reges Interesse an seiner Arbeit.
    ⇒ Er war erfolglos.
  27. Er hatte Gelegenheit, die ihm übertragenen Aufgaben zu erledigen.
    ⇒ Er war erfolglos.
  28. Wegen seiner Pünktlichkeit war er stets ein gutes Beispiel.
    ⇒ Er war leistungsschwach.
  29. Sie war tüchtig und in der Lage, ihre Meinung zu vertreten.
    ⇒ Sie war kritikschwach.
  30. Er arbeitete sehr nach eigener Planung.
    ⇒ Er hat das gemacht worauf er Lust hatte, jedoch nicht was er tun sollte.
  31. Das Produktionsniveau konnte durch ihre Leistung gehalten werden.
    ⇒ Sie erreichte keine Verbesserung.
  32. Ihm wurde die Gelegenheit zu Fortbildungsmaßnahmen geboten.
    ⇒ Jedoch hat er diese nicht genutzt.
  33. Er war Neuem gegenüber aufgeschlossen.
    ⇒ Jedoch nicht um es zu verwenden.
  34. Er hatte auch brauchbare Vorschläge gemacht.
    ⇒ Die nicht übernommen wurden.
  35. Sie gab viele Anregungen, die geprüft wurden.
    ⇒ Jedoch nicht übernommen.
  36. Seine Standpunkte stellt er in selbstbewusster Art vor.
    ⇒ Er war arrogant, anmaßend und besserwisserisch.
  37. Er ist ein anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter.
    ⇒ Er ist ein Nörgler.
  38. Wir haben uns einvernehmlich getrennt.
    ⇒ Aufhebungsvertrag oder Kündigung nach Ansage vom Arbeitgeber.
  39. Das Arbeitsverhältnis endet am ungeraden Datum.
    ⇒ Sie wurde fristlos entlassen aufgrund von Verfehlungen.
  40. Unsere besten Wünsche begleiten ihm.
    ⇒ Ironie.
  41. Seine Mitarbeiter schätzten ihn als umgänglichen Vorgesetzten.
    ⇒ Mangelndes Mitarbeiterinteresse.
  42. Wir lernten sie als umgängliche Kollegin kennen.
    ⇒ Sie war unbeliebt.
  43. Wir wünschen ihm für die Zukunft alles nur erdenklich Gute.
    ⇒ Ironie.
  44. Wir wünschen alles Gute, insbesondere auch Erfolg.
    ⇒ Er war erfolglos.
  45. Er stand stets voll hinter uns.
    ⇒ Er ist ein Trinker.
  46. Er war kontaktbereit.
    ⇒ Jedoch nicht fähig.
  47. Bei Kunden war er schnell beliebt.
    ⇒ Mangelnde Verhandlungsstärke.
  48. Er praktizierte einen kooperativen Führungsstil und war deshalb von seinen Mitarbeitern sehr geschätzt.
    ⇒ Er ist durchsetzungsschwach
  49. Sie führte mit fester Hand.
    ⇒ Sie hat einen autoritären Führungsstil.
  50. Er führte konsequent.
    ⇒ Er hat einen autoritären Führungsstil.
  51. Er führte straff demokratisch.
    ⇒ Er hat einen autoritären Führungsstil.
  52. Er scheidet aus, um in einem anderen Unternehmen eine höherwertige Tätigkeit zu übernehmen.
    ⇒ Wir haben ihm keine höhere Position zugetraut.
  53. Er schied aus, um sich finanziell zu verbessern.
    ⇒ Mehr war er uns nicht wert.
  54. Er schied im beiderseitigen Einvernehmen aus.
    ⇒ Kündigung durch den Arbeitgeber
  55. Für die Belange der Belegschaft bewies er immer Einfühlungsvermögen.
    ⇒ Er suchte sexuelle Kontakte.
  56. Sie machte häufig Vorschläge zu Arbeitserleichterungen.
    ⇒ Sie war faul und zeigte wenig Einsatz.
  57. Er war immer für einen Verbesserungsvorschlag gut.
    ⇒ Besserwisser.
  58. Unsere wirtschaftliche Lage erfordert durchgreifende Restrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen. Frau Schneider scheidet aus diesen rein objektiven Gründen auf eigenen Wunsch hin aus.
    ⇒ Ihr wurde nahegelegt das Unternehmen zu verlassen.
  59. Sie war stets pünktlich.
    ⇒ Ansonsten gab es nichts Positives zu sagen.
  60. Sie hat in ihrem sowie auch im Interesse der Firma gearbeitet oder Er war ein eigenwilliger und beweglicher Mitarbeiterin
    ⇒ Es kam zu Unregelmäßigkeiten.
  61. Sie zeigte ein einwandfreies Verhalten gegenüber den Kollegen.
    ⇒ Schlechtes Verhalten gegenüber Vorgesetzten.
  62. Wir bestätigen, dass er mit Fleiß, Engagement und Pünktlichkeit an seine Aufgaben herangetreten ist.
    ⇒ Fachliche Niete.
  63. Deshalb möchten wir seine Fähigkeiten hervorheben, die Aufgaben mit großem Erfolg zu delegieren.
    ⇒ Arbeitsscheu.
  64. Er hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt oder Er erledigt die übertragenen Arbeiten mit Fleiß und war stets willens, sie termingerecht zu beenden .
    ⇒ Leistungsschwach.
  65. Sie zeigte sich den Belastungen gewachsen.
    ⇒ Schwaches Nervenkostüm.

Fazit

Mit den aufgeführten Zeugnistechniken bzw. Geheimcodes haben Sie einen guten Überblick, über die abwertenden Formulierungen und Verschlüsselungstechniken in Ihrem Arbeitszeugnis.

Nutzen Sie das neugelernte Wissen, um Fehler in Ihrem Zeugnis zu finden und richtig zu stellen.

Tipp: Lesen Sie auch nochmal unseren Beitrag: Arbeitszeugnis prüfen – so erkennen Sie Fehler in Ihren Zeugnissen um weitere Fehler in Ihrem Zeugnis aufzudecken.

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