Bewerbung über 50

Bewerbungstipps #20: Bewerbung über 50 – Worauf Bewerber und Bewerberinnen achten sollten

Immer häufiger bekommen wir in unserer Bewerbungsagentur Anfragen von gut ausgebildeten und erfolgreichen Arbeitnehmern der Generation 50+, welche der Meinung sind zu alt für den Bewerbungsmarkt zu sein.

Sie schreiben oft bis zu 100 Bewerbungen und bekommen nur wenige oder sogar gar keine Vorstellungsgespräche.
Doch woran liegt das? Gibt es wirklich keinen Bedarf an älteren, erfahrenen Arbeitskräften?

Doch! Bewerber und Bewerberinnen über 50 müssen sich nur entsprechend verkaufen.

Dazu müssen wir erst einmal betrachten, welche Vorurteile viele Personaler gegenüber älteren Bewerbern/innen haben:

  • Ältere Arbeitnehmer/innen sind weniger leistungsfähig, können die körperlichen Anforderungen nicht mehr erfüllen und mit dem modernen Arbeitstempo nicht mehr mithalten
  • Sie sind weniger leistungsbereit und motiviert, da sie ja ohnehin bald in Rente gehen
  • Ältere Arbeitnehmer/innen kosten das Unternehmen mehr als jüngere Kollegen
  • Arbeitnehmer/ Arbeitnehmerinnen der Generation 50+ haben keine Lust mehr sich weiterzubilden, sind fachlich nicht mehr auf dem Laufenden und können mit der Digitalisierung nicht umgehen
  • Außerdem sind sie unflexibel und können sich nicht in junge Teams integrieren – oder sie haben Probleme mit Vorgesetzten, die deutlich jünger sind als sie selbst
  • Ältere Angestellte sind häufiger und länger krank und dehnen den Zeitraum der Krankschreibung gerne mal ein bisschen länger aus

 

„Das ist doch Unsinn!“ hören wir oft von unseren „Best Ager“-Kunden. „Nur weil ich über 50 bin heißt das doch nicht, dass ich kein Smartphone bedienen kann/ schon an meine Rente denke/ festgefahren bin/ mich nicht in junge Teams einfügen kann.“

Das sehen wir auch so, aber viele Bewerber/innen der Generation 50+ erwecken unabsichtlich genau diesen Eindruck. Viele wissen von diesen oder anderen Vorurteilen und/oder haben schon schlechte Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt gemacht und denken nun, sie müssten sich für genau diese Dinge in ihrer Bewerbung rechtfertigen oder ihr Alter verschweigen bzw. „verwinden lassen“.

Im Zusammenspiel mit ungeschickten Formulierungen entsteht bei den Personalverantwortlichen schnell ein negatives Bild, welches die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch verhindert oder zumindest die Chance auf eine Einladung verringert.

Deshalb hier ein paar Tipps, wie Bewerber/innen über 50 in ihren Bewerbungen genau diese Vorurteile von vorneherein entkräften können:

 

1. Modernität und Aktualität ausstrahlen

Bewerber müssen schon anhand ihrer Bewerbungsunterlagen zeigen, dass sie immer noch am Puls der Zeit sind. Eine veraltete Bewerbung, am schlimmsten noch mit einem veralteten Bewerbungsbild oder einem unmodernen Bild im Passbildformat, zeigt dem Personalverantwortlichen auf den ersten Blick, dass der Bewerber wohl auf dem Kenntnisstand von vor 20 Jahren stehengeblieben ist. Ältere Bewerber sollten also noch mehr als ihre jüngeren Kollegen auf eine moderne Aufmachung ihrer Bewerbung und auf ein aktuelles und vor allem modernes Bewerbungsbild achten.

(Zum Thema Bewerbungsbild wird es hier auf dem Blog in den nächsten Wochen auch einen entsprechenden Artikel geben.)

Dazu gehört auch der Lebenslauf nach amerikanischem Vorbild, in welchem die aktuellste Stelle immer die erstgenannte ist und alle weiteren Stellen dann umgekehrt chronologisch aufgelistet werden.

Außerdem sollten alle Tätigkeiten und Weiterbildungen, welche weiter als 10 Jahre zurückliegen nur kurz angerissen werden, wogegen Tätigkeiten, Projekte und Erfolge der letzten 5 – 10 Jahre besonders hervorgehoben und herausgearbeitet werden sollten. Das ist auch der Inhalt des nächsten Punkts.

 

2. Demonstration der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten

Die „Best Ager“ unter den Bewerbern/innen sollten in ihren Bewerbungsunterlagen darauf achten, dass sie die aktuellen Kenntnisse und Fähigkeiten herausstellen, während sie das, was sie vor 20 oder 30 Jahren gelernt oder gekonnt haben hintenanstellen. Aktuelle Weiterbildungen der letzten 5 Jahre sollten also unbedingt aufgeführt werden – egal ob es sich um berufliche oder private, um große oder kleine Fortbildungen handelt.

Es zeigt, dass sich der Bewerber gerne weiterbildet und sich nicht auf seinen einmal gelernten Kenntnissen ausruht. Außerdem können Bewerber/innen so auch zeigen, dass sie auf der Höhe der Zeit sind, was PC-Programme wie Word, Excel und PowerPoint oder auch andere Software-Programme, wie SAP, angeht.

Und nein, ein Zertifikat über die Anwendung von MS-DOS aus dem Jahr 1989 ist hier nicht gemeint…

Aber auch Bewerber und Bewerberinnen, die berufsbedingt keine PC-Kenntnisse benötigen, weil sie in der Pflege, als Handwerker oder in der Landwirtschaft arbeiten, sollten in ihren Bewerbungsunterlagen zeigen, dass sie in den letzten Jahren nicht auf der Stelle getreten sind, sondern dazugelernt haben. Beispielsweise durch Fortbildungen in speziellen Pflegebereichen oder durch private Weiterbildungen in Fachbereichen wie neue, digitalisierte Pflanz- oder Erntetechniken in der Landwirtschaft, neue psychologische Erziehungsansätze in der Kinderpädagogik oder neue Formen der Programmierung von KI in der Informatik.

Aber auch private autodidaktische, also selbständige Fortbildung durch das Lesen einschlägiger Fachliteratur oder durch den Besuch von Workshops und Vorträgen gehört ebenso in die Kategorie „Weiterbildung“ wie eine offizielle Teilnahme an Kursen mit Zertifikaten.

 

3. Körperliche und geistige Fitness zeigen

Sowohl auf dem Bewerbungsbild als auch im Anschreiben und im Lebenslauf sollten Bewerber Fitness und Motivation ausstrahlen. Auf dem Bewerbungsbild geht das am besten mit einer dynamischen Haltung, moderner, passender und stilvoller Kleidung und einem guten Fotografen (nein, das ist nicht selbstverständlich!).

Im Anschreiben erreichen Sie diesen Eindruck mit motivierten, kurzen und prägnanten Sätzen und im Lebenslauf mit der oben schon erwähnten Aufzählung von Weiterbildungen oder der Auflistung von Erfolgen und Profjekten jüngeren Datums sowie der Nennung von Hobbies, die die Fitness des Bewerbers oder der Bewerberin unterstreichen.

Außerdem sollten Bewerber/innen im Anschreiben darauf achten sich über gängige Regeln für Bewerbungsschreiben zu informieren (wie beispielsweise eine Vermeidung der früher üblichen Adressierung „z.Hd.“). Hier auf unserem Blog gibt es mehrere Artikel über moderne Anschreiben und wie sie in diesem punkten können.

 

4. Vorteile gegenüber jüngeren Arbeitnehmern in die Waagschale werfen

Mehr Berufserfahrung heißt einfach mehr Berufserfahrung, darüber muss man gar nicht lange diskutieren. Doch dieser Satz alleine wird keinen Personalverantwortlichen überzeugen. Also sollten Bewerber/innen ganz klar kommunizieren, was sie gegenüber jüngeren Bewerbern in die Waagschale werfen können. Ein paar Vorschläge und Anregungen werden nachfolgend genannt:

  • mehr Verantwortungsbewusstsein
  • langjährige Berufserfahrung und breites Knowhow in den jeweiligen Fachbereichen und Branchen
  • hohe Produktivität durch Routine (Achtung: Hier sollte allerdings zusätzlich belegt werden, dass der Bewerber trotz einer gewinnen Routine auch durchaus in der Lage ist flexibel auf neue Anforderungen und Herausforderungen einzugehen.)
  • bessere Menschenkenntnis und mehr Lebenserfahrung
  • über die Jahre optimierte Soft Skills
  • weniger Ablenkungen im Privatleben (Geburten, Hauskauf & Co)
  • höhere Stressresistenz, mehr Gelassenheit und Souveränität bei Problemen oder Zeitdruck
  • größeres Netzwerk, welches dem Arbeitgeber zugutekommen kann
  • bessere Flexibilität hinsichtlich Urlaubszeiten oder Wohnort (keine kleinen Kinder o.ä.)
  • Erfahrung im Umgang mit Konflikten und oft mäßigender und vermittelnder Einfluss auf hitzige jüngere Kollegen
  • genauere Vorstellungen der persönlichen Ziele, Wünsche und Bedürfnisse, aber auch Grenzen
  • bessere emotionale Stabilität
  • gefestigte Verhältnisse und dadurch höhere Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber
  • traditionelle Werte wie Disziplin, Fleiß und Zuverlässigkeit
  • geringere Fehlerquote, da im bisherigen Berufsleben viele Fehler schon begangen wurden und der ältere Bewerber daraus gelernt hat

 

Der beste Satz, den ich von einem älteren Bewerber auf der Messe jobs40+ in Stuttgart gehört habe, war folgender: „Wissen Sie, ich habe in meiner Berufslaufbahn so viele Fehler gemacht, aus welchen ich sehr viel gelernt habe und die ich in den nächsten 20 Jahren, die ich beruflich noch vor mir habe, garantiert nicht mehr machen werde. Ein jüngerer Mitarbeiter hat diese Fehler – welche das Unternehmen teilweise ja auch gutes Geld kosten – alle noch vor sich.“

Starke Aussage! Genau so sollten ältere Arbeitnehmer denken und das gegenüber dem neuen Unternehmen auch kommunizieren.

 

5. Erfolge klar kommunizieren

Viele Arbeitnehmer der älteren Generation stapeln eher zu tief als zu hoch. „Bescheidenheit ist eine Zier!“ dozieren viele ältere unserer Kunden des Öfteren.

Ja, absolut! Aber nicht in den Bewerbungsunterlagen und auch nicht im Vorstellungsgespräch.

Bewerber/innen sollten in ihren Unterlagen stets darauf achten, dass sie ihre Kenntnisse, Leistungen und Erfolge gradlinig, schnörkellos und ohne „weitschweifige Prosa“ darlegen und anhand von Beispielen und benannten Projekten untermauern. Und keine Angst, wenn Bewerber ihre Erfolge anhand von Fakten aufzählen und darlegen, ist das keine Angeberei oder Aufgeblasenheit. Es zeigt einfach nur auf, was ein 55-jähriger Vertriebler einem 35-jährigen voraus hat.

 

6. Informiert und up-to-date bleiben

Selbstverständlich sollten alle Bewerber und Bewerberinnen jeder Altersklasse vor einer Bewerbung ihre Hausaufgaben machen und sich über das jeweilige Unternehmen und die Branche informieren. Älteren Bewerber raten wir jedoch sich ganz besonders über neue Errungenschaften der jeweiligen Branche oder des Unternehmens schlau zu machen, um auf dem neusten Stand zu sein was technologische Neuerungen, neue Möglichkeiten der Digitalisierung oder auch den Umgang mit Smartphones, Tabletts und Touchdisplays im Allgemeinen angeht.

Auch die Bewerbung auf Online-Portalen wird immer mehr zur Regel und sollte, falls hier Defizite, bestehen mit einem jüngeren Bekannten oder Verwandten geübt werden.

Ebenso ist ein Umgang mit dem PC, vor allem mit den oben schon genannten Programmen wie Word, Excel und Outlook, heutzutage in vielen Bereichen und Positionen fast selbstverständlich und unterstützt den Eindruck von einem junggebliebenen „Best Ager“.

 

Wir hoffen, dass dir diese Tipps bei der erfolgreichen Stellensuche helfen und wünschen dir viel Erfolg bei deinen Bewerbungen!

Falls du Hilfe mit deiner Bewerbung benötigst, helfen wir dir natürlich gerne weiter!

Erfolgreich bewerben mit professionellen und individuellen Bewerbungsschreiben, Lebensläufen sowie kompletten Bewerbungspaketen, geschrieben von Akademikern, Personalern und Experten verschiedenster Branchen und langjähriger Berufserfahrung.

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